MAXIM SCHUNK
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Ratgeber20. Juli 20269 Min. Lesezeit

Elektronische Musik: die Genres im Überblick

House, Techno, Trance, Drum and Bass und alles dazwischen — woher die Stile kommen, wie sie klingen, bei welchem Tempo sie laufen und wo sie sich überschneiden.

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Warum Genres überhaupt zählen

Genrebezeichnungen sind keine Wahrheit, sondern Werkzeug. Sie helfen beim Sortieren der eigenen Musik, beim Gespräch mit Bookern und beim Verstehen, warum zwei Tracks im gleichen Tempo trotzdem nicht zusammenpassen. Wer die Stile unterscheiden kann, trifft im Set schneller die richtige Entscheidung — mehr soll das System nicht leisten.

Dieser Überblick ordnet die wichtigsten Richtungen ein. Jede hat einen eigenen ausführlichen Beitrag, verlinkt an der jeweiligen Stelle.

Die vier Hauptlinien

House — entstanden in Chicago aus dem, was von Disco übrig blieb. Vier Schläge im Takt, Groove aus Hi-Hats und Bassline, häufig Gesang. Tempo meist 118 bis 128 BPM. Die menschlichste der vier Linien.

Techno — entstanden in Detroit als Musik von Maschinen für Maschinen, weiterentwickelt im Berlin der Nachwendezeit. Reduziert, hypnotisch, ohne Gesang, meist 125 bis 150 BPM. Der Anspruch ist Wirkung über Wiederholung, nicht über Melodie.

Trance — die einzige der vier Linien mit deutschem Ursprung. Melodie und Spannungsaufbau stehen im Zentrum, klassisch 130 bis 145 BPM. Frankfurt und Berlin waren die Zentren.

Drum and Bass — aus dem britischen Rave der frühen Neunziger, gebrochene Beats statt gerader Bassdrum, rund 170 bis 175 BPM bei halb so schnell wirkendem Bass. Die technisch eigenständigste Richtung.

Was heute in den Clubs läuft

Tech House sitzt zwischen House und Techno und ist seit Jahren das meistgespielte Format in Bars und mittelgroßen Clubs — funktional, groovig, breit anschlussfähig.

Melodic House und Melodic Techno haben den Platz besetzt, den früher Trance hatte: emotionale Melodien, langer Aufbau, große Räume.

Hard Techno ist die auffälligste Bewegung der letzten Jahre. Das Tempo ist deutlich gestiegen, der Kern der Szene ist jung, und Deutschland steht dabei im Zentrum — mit einer eigenen Vorgeschichte, siehe Schranz.

Afro House und Amapiano kommen aus Südafrika und haben sich in wenigen Jahren fest in europäischen Sets etabliert — die größte Erweiterung des Repertoires seit langem.

Die deutschen Kapitel

Drei Geschichten, die in internationalen Übersichten meist fehlen, obwohl sie hier geschrieben wurden:

  • Trance aus Frankfurt — Technoclub, Eye Q Records, der Sound, der von hier aus in die Welt ging.
  • Schranz — ein Begriff, der 1994 in einem Frankfurter Plattenladen entstand und ein Jahrzehnt lang die härteste Spielart des Techno benannte.
  • Eurodance — der kommerziell erfolgreichste deutsche Beitrag zur Tanzmusik, produziert von denselben Leuten, die im Untergrund Techno auflegten.

Tempo als Orientierung

Das Tempo allein sagt wenig über das Genre, hilft aber beim Einordnen. Eine vollständige Übersicht mit Erklärung steht in BPM-Tabelle der Genres. Als grobe Landkarte:

  • Amapiano und Afro House: etwa 110 bis 125
  • House und Tech House: 120 bis 128
  • Melodic House und Techno: 120 bis 126
  • Techno: 128 bis 145
  • Trance: 132 bis 142
  • Hard Techno: 145 bis 160, mit Ausschlägen darüber
  • Drum and Bass: 170 bis 175

Wie man Genres praktisch nutzt

Beim Sortieren der eigenen Bibliothek ist die Genrebezeichnung übrigens das schwächste Kriterium — im Booth fragt man nicht nach dem Stil, sondern nach der Energie. Warum Playlists deshalb besser nach Einsatzzweck geordnet werden, steht in Musikbibliothek organisieren. Für das Auflegen selbst sind die Grundlagen in Auflegen lernen zusammengefasst.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen House und Techno?

House kommt aus Chicago und baut auf einer Disco-Wurzel auf: groovig, oft mit Gesang, meist 118 bis 128 BPM. Techno kommt aus Detroit, ist maschineller, härter und funktioniert ohne Gesang, üblicherweise zwischen 125 und 150 BPM. Die Grenze verläuft weniger über das Tempo als über das Gefühl: House swingt, Techno treibt.

Wie viele Genres gibt es in der elektronischen Musik?

Hunderte, wenn man Verzweigungen mitzählt — Plattform-Kataloge führen weit über hundert Bezeichnungen. Praktisch relevant sind rund ein Dutzend Hauptrichtungen; alles andere sind Abstufungen innerhalb davon.

Welches Genre soll ich als DJ spielen?

Das, dessen Aufbau du wirklich hörst und dessen Publikum du kennst. Wer alles spielt, spielt nichts überzeugend. Ein klares Profil in einem Bereich öffnet mehr Türen als eine breite Auswahl ohne Handschrift.

Gibt es typisch deutsche Genres?

Ja. Schranz entstand Ende der Neunziger im Frankfurter Umfeld, Trance hatte in Frankfurt und Berlin eines seiner beiden Zentren, und Eurodance wurde maßgeblich von Frankfurter Produzenten geprägt. Deutschland ist in der elektronischen Musik kein Importland.


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