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Ratgeber24. Juli 20267 Min. Lesezeit

Drum and Bass erklärt: gebrochene Beats bei 174 BPM

Warum Drum and Bass schnell klingt und sich langsam anfühlt, woher der Stil kommt, welche Spielarten es gibt und was beim Auflegen anders ist als bei gerader Bassdrum.

#Drum and Bass erklärt#DnB BPM#Jungle#Breakbeat

Der Trick mit dem halben Tempo

Drum and Bass läuft bei rund 174 BPM und klingt trotzdem nicht gehetzt. Der Grund liegt im Aufbau: Nur das Schlagzeug arbeitet im vollen Tempo. Bass, Harmonie und Melodie orientieren sich am halben Tempo, also etwa 87 BPM. Man hört gleichzeitig schnelle Rhythmik und ruhige Bewegung.

Dieses Prinzip unterscheidet das Genre grundlegend von allem, was auf gerader Bassdrum aufbaut — und es erklärt, warum Drum and Bass sowohl aggressiv als auch entspannt klingen kann, ohne das Tempo zu ändern.

Herkunft

Die Wurzeln liegen im britischen Rave der frühen Neunziger. Aus Hardcore und Breakbeat entwickelte sich zunächst Jungle — stark von Reggae und Ragga geprägt, mit zerschnittenen Breakbeats und tiefen Basslinien. Daraus wurde ab Mitte der Neunziger Drum and Bass: technischer, glatter, produktionsseitig anspruchsvoller.

Rhythmisches Ausgangsmaterial war vielfach der Amen Break, ein wenige Sekunden langer Schlagzeugausschnitt aus einer Soulaufnahme der Sechziger. Zerschnitten und neu zusammengesetzt wurde er zur Grundlage eines ganzen Genres — und zu einem der meistverwendeten Samples überhaupt.

Die Spielarten

Liquid — melodisch, mit Gesang, warmen Akkorden und viel Raum. Der zugänglichste Zweig.

Neurofunk — technisch, dunkel, mit stark bearbeiteten Bässen. Der Schwerpunkt liegt auf Klanggestaltung.

Jump Up — direkt, effektiv, auf unmittelbare Wirkung gebaut. In britischen Clubs weit verbreitet.

Halftime — das Schlagzeug wird auf gefühlte 87 BPM ausgedünnt, während das Grundtempo bleibt. Klingt entfernt nach Hip-Hop bei doppelter Auflösung.

Jungle — der Vorläufer, seit einigen Jahren wieder deutlich präsenter, auch bei jüngerem Publikum.

Drum and Bass in Deutschland

Anders als in Großbritannien war Drum and Bass hier nie Massenphänomen, hat aber seit den Neunzigern eine durchgehend aktive Szene mit eigenen Veranstaltungsreihen in allen größeren Städten. Auf Festivals läuft er meist auf eigenen Bühnen — ein Nebeneinander statt einer Vermischung, das mit den Tempounterschieden zu tun hat.

Was beim Auflegen anders ist

  • Die Übergänge sind kürzer. Zwei volle Drum-and-Bass-Beats gleichzeitig klingen schnell chaotisch. Üblich sind Wechsel über wenige Takte, oft direkt am Drop.
  • Der Bass ist noch heikler. Die tiefen Frequenzen sind das Herzstück des Genres — zwei gleichzeitig laufende Bässe ruinieren beide. Der saubere Bass-Wechsel ist Pflicht, siehe Übergangstechniken.
  • Double Drop als eigene Technik: Zwei Tracks erreichen gleichzeitig ihren Drop. Wirkungsvoll, wenn beide zueinander passen — sonst laut und unübersichtlich.
  • Wechsel zu anderen Genres laufen über das halbe oder doppelte Tempo. Ein House-Track bei 87 BPM lässt sich rhythmisch an 174 anbinden; das will vorbereitet sein.

Für Einsteiger ist Drum and Bass anspruchsvoller als House oder Tech House, weil die Struktur weniger vorhersehbar ist und Fehler bei diesem Tempo schneller auffallen. Wer die Grundlagen sicher hat — siehe Auflegen lernen —, findet hier das technisch reizvollste Feld. Die Einordnung aller Genres steht in der Genre-Übersicht.

Häufige Fragen

Wie schnell ist Drum and Bass?

Üblicherweise 170 bis 175 BPM, meist um 174. Weil der Bass und die Harmonie sich am halben Tempo orientieren, wirkt die Musik trotzdem nicht hektisch — sie fühlt sich an wie 87 BPM mit sehr schnellem Schlagzeug.

Was ist der Unterschied zwischen Jungle und Drum and Bass?

Jungle ist der Vorläufer aus der ersten Hälfte der Neunziger: stärker von Reggae und Ragga geprägt, mit stark zerschnittenen Breakbeats. Drum and Bass entwickelte daraus eine glattere, technischere Form.

Was bedeutet Amen Break?

Ein kurzer Schlagzeugausschnitt aus einer Soulaufnahme der Sechziger, der zerschnitten und neu zusammengesetzt zur rhythmischen Grundlage von Jungle und Drum and Bass wurde — eines der meistverwendeten Samples der Musikgeschichte.

Kann man Drum and Bass mit House oder Techno mischen?

Direkt kaum, weil die Tempi zu weit auseinanderliegen. Möglich ist der Wechsel über das doppelte Tempo: Ein House-Track bei 87 BPM passt rhythmisch zu Drum and Bass bei 174 — ein Übergang, der Vorbereitung und Übung braucht.


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