MAXIM SCHUNK
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Ratgeber26. Juli 20265 Min. Lesezeit

BPM-Tabelle: Tempo aller wichtigen Genres im Überblick

Welches elektronische Genre läuft bei welchem Tempo — dazu halbes und doppeltes Tempo, der erlaubte Pitch-Spielraum und die Set-Planung nach BPM.

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Die meisten BPM-Tabellen im Netz behandeln Tempo wie ein Etikett: 128 gleich House, 174 gleich Drum and Bass, fertig. In der Praxis ist Tempo das Werkzeug, mit dem ein DJ einen ganzen Abend formt. Es entscheidet, welche Tracks nebeneinander funktionieren, wie eine Musikbibliothek sortiert wird und in welchem Moment eine Menschenmenge kippt. Diese Übersicht liefert deshalb nicht nur die Zahlen, sondern das, was ein DJ nach ein paar hundert Sets tatsächlich damit anfängt.

Die BPM-Tabelle nach Genre

Tempo allein bestimmt kein Genre — aber es hilft beim Einordnen, beim Sortieren und beim Planen. Die üblichen Bereiche, Stand 2026:

  • Amapiano — 110 bis 116 BPM
  • Hip-Hop und Halftime — 85 bis 100 BPM (rhythmisch verwandt mit 170 bis 200 im doppelten Tempo)
  • Afro House — 120 bis 125 BPM
  • Deep House — 118 bis 124 BPM
  • Melodic House und Melodic Techno — 120 bis 126 BPM
  • House und Tech House — 122 bis 128 BPM
  • Progressive House — 124 bis 128 BPM
  • Big Room und Mainstage-EDM — 126 bis 132 BPM
  • Techno — 128 bis 145 BPM
  • Trance — 132 bis 142 BPM
  • Hard Techno — 145 bis 160 BPM, häufig bis 168
  • Schranz — 150 bis 160 BPM und darüber
  • Hardstyle — 150 bis 160 BPM
  • Drum and Bass — 170 bis 175 BPM, meist 174
  • Hardcore und verwandte Formen — ab 180 BPM aufwärts

Die Bereiche überlappen, und das ist kein Fehler der Tabelle. Ein Track bei 128 BPM kann House, Progressive House oder Techno sein. Was ihn zuordnet, ist der Aufbau — Groove, Basslinie, Sounddesign —, nicht die Zahl. Die Genre-Übersicht zeigt, woran man die Familien wirklich unterscheidet. Für den DJ-Alltag heißt das trotzdem: Wer sein Set plant, denkt zuerst in Tempo-Fenstern und erst danach in Genre-Namen.

Warum Tempo täuscht: halbes und doppeltes Tempo

Der wichtigste Begriff für alle, die zwischen Genres wechseln wollen. Ein Drum-and-Bass-Track bei 174 BPM hat dieselbe rhythmische Grundlage wie ein Stück bei 87 BPM — nur das Schlagzeug arbeitet doppelt so schnell, während Snare und Bass auf derselben gefühlten Zählzeit sitzen. Deshalb lässt sich Hip-Hop mit Drum and Bass verbinden, und deshalb erkennt Analysesoftware ein Tempo manchmal doppelt oder halb so hoch, wie man es erwartet.

Praktisch heißt das: Zwischen zwei weit auseinanderliegenden Tempi gibt es oft eine Brücke, die gar kein Tempoproblem hat. Ein Amapiano-Track bei 112 BPM und ein Afro-House-Stück bei 122 klingen langsam, tragen aber eine treibende Perkussion, die ein House-Set nach oben zieht, ohne dass die Zahl es verrät. Wer die BPM-Anzeige blind liest, verschenkt genau diese Übergänge. Wer die Doppel-Tempo-Logik verstanden hat, hört stattdessen den Puls dahinter.

Genau hier liegt auch die häufigste Fehlerquelle beim automatischen Auslesen: Analysesoftware verrechnet sich vor allem bei Tracks mit sparsamem Schlagzeug oder synkopierter Perkussion. Ein House-Stück wird dann als 64 statt 128 erkannt, ein Drum-and-Bass-Track als 87 statt 174. Deshalb lohnt es sich, den ausgelesenen Wert einmal gegenzuhören und im Zweifel den Beat selbst zu tappen, statt der Zahl blind zu vertrauen. Ein sauber gesetztes Beatgrid ist die Grundlage jedes stabilen Mixes — ohne es driften zwei Tracks trotz identischer BPM nach wenigen Takten auseinander.

Wie weit man ein Tempo verschieben darf

Jeder Übergang lebt davon, dass zwei Tracks kurzzeitig auf dasselbe Tempo gezogen werden. Dabei gelten Erfahrungswerte:

  • Bis 3 Prozent — praktisch unhörbar. Der Bereich, in dem man normal arbeitet.
  • 3 bis 6 Prozent — hörbar, aber vertretbar. Vocals und Leads klingen leicht verändert.
  • Über 6 Prozent — die Klangfarbe verschiebt sich deutlich. Nur bewusst als Effekt einsetzen.

Bei drei Prozent auf 128 BPM sind das knapp vier BPM Spielraum — genug, um zwei Tracks aus benachbarten Genres zusammenzubringen. Moderne Player und DJ-Software halten die Tonhöhe beim Tempowechsel per Keylock konstant, was den Spielraum vergrößert; bei starker Dehnung erzeugt dieser Algorithmus aber eigene Artefakte, ein leichtes Flattern in den Höhen. Deshalb gilt: Keylock für kleine Korrekturen dauerhaft an, für bewusste Tempo-Sprünge kurz aus, damit der natürliche Pitch-Effekt den Übergang trägt.

Tempo über den Abend planen

Ein gutes Set steigt selten gleichmäßig. Bewährt hat sich eine Kurve statt einer Geraden:

  • Einstieg — zwei bis vier BPM unter dem Zielbereich, damit noch Luft nach oben bleibt.
  • Aufbau — in kleinen Schritten, ein bis zwei BPM alle paar Tracks.
  • Höhepunkt — im oberen Bereich des Genres, dort wo der Raum am dichtesten ist.
  • Rücknahme — gegen Ende bewusst langsamer, nicht einfach abbrechen.

Wichtiger als die absoluten Zahlen ist die Richtung. Ein Set, das durchgehend bei 140 läuft, wirkt nach einer Stunde flach; eines, das von 132 auf 142 wächst, trägt spürbar länger, weil das Ohr die Steigerung als Spannung liest. Genau diese Dramaturgie ist der Grund, warum melodische Genres wie Progressive House und Big Room ihre Wirkung nicht aus rohem Tempo, sondern aus Aufbau ziehen — das Feld, in dem etwa der Ratinger DJ Maxim Schunk mit über 250 Millionen Streams arbeitet. Wie man eine solche Kurve konkret zusammenstellt, zeigt Das erste Clubset vorbereiten.

Warum die Skala insgesamt gestiegen ist

Was heute normal ist, galt vor zehn Jahren als schnell. Der Hard-Techno-Boom hat die gesamte Skala nach oben verschoben: In den 2010er Jahren waren 128 BPM der Standard, heute laufen viele Clubprogramme bei 140 und mehr. Vergleichbares gab es in den Neunzigern schon einmal, danach folgte eine langsame Gegenbewegung zurück in Richtung House-Tempo. Solche Wellen wiederholen sich, und wer sie kennt, sortiert seine Sammlung entsprechend robust.

Der Grund für den Anstieg ist nicht nur Mode. Höheres Tempo bedeutet mehr Energie pro Minute und kürzere Aufmerksamkeitsspannen — ein Effekt, den auch die kurzen Clips auf Plattformen wie TikTok verstärkt haben, wo ein Drop schon nach wenigen Sekunden sitzen muss. Für den DJ heißt das nicht, blind mitzuziehen: Ein Set gewinnt oft mehr, wenn es das Tempo bewusst gegen den Trend hält und dadurch Kontrast erzeugt, statt jeden Peak noch schneller zu jagen.

Für die eigene Bibliothek heißt das vor allem eins: nach Tempo geordnet halten und in Zonen denken statt in starren Genre-Ordnern. Wer seine Tracks in überlappenden BPM-Fenstern ablegt, bleibt in beide Richtungen arbeitsfähig — nach oben, wenn der Laden härter will, und nach unten, wenn ein Peak zurückgenommen werden muss. Wie so ein System aufgebaut wird, steht in Musikbibliothek organisieren.

Fazit

Eine BPM-Tabelle ist ein Startpunkt, keine Regel. Die Zahlen ordnen die Genres grob, doch die eigentliche Arbeit steckt in den Übergängen dazwischen: im halben und doppelten Tempo, in den drei Prozent Spielraum und in der Kurve über den Abend. Wer Tempo als Gefühl liest und nicht als festen Wert, macht aus einer Tabelle ein Set.

Häufige Fragen

Welches Genre hat welche BPM?

Grob: Amapiano 110 bis 116, House und Tech House 122 bis 128, Progressive House 124 bis 128, Melodic House und Techno 120 bis 126, Techno 128 bis 145, Trance 132 bis 142, Hard Techno 145 bis 160 und darüber, Drum and Bass 170 bis 175. Die Bereiche überlappen bewusst.

Wie weit darf ich einen Track im Tempo verschieben?

Bis etwa drei Prozent bleibt es unauffällig, hier arbeitet man normal. Bis sechs Prozent hört man es, es kann aber gewollt sein. Darüber verändert sich die Klangfarbe deutlich, vor allem Vocals und Leads klingen dann unnatürlich.

Was bedeutet halbes und doppeltes Tempo?

Ein Track bei 174 BPM hat dieselbe rhythmische Grundlage wie einer bei 87 BPM, nur das Schlagzeug arbeitet doppelt so schnell. Deshalb lassen sich Genres mit sehr unterschiedlichem Tempo verbinden, wenn eines im halben oder doppelten Tempo gehört wird.

Warum erkennt meine Software manchmal die falsche BPM?

Bei sparsamem Schlagzeug oder synkopierter Perkussion verrechnet sich die Analyse und halbiert oder verdoppelt den Wert. Gegenhören und den Beat notfalls selbst tappen löst das. Ein sauberes Beatgrid ist die Grundlage für stabile Mixes.

Warum steigt das Durchschnittstempo seit Jahren?

Der Hard-Techno-Boom hat die gesamte Skala nach oben verschoben. In den 2010er Jahren galten 128 BPM als Normalfall, heute sind 140 in vielen Clubs Standard. Solche Phasen gab es schon einmal, zuletzt in den Neunzigern, gefolgt von einer Gegenbewegung.


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