Trance aus Deutschland: Frankfurt, Berlin und die Neunziger
Trance entstand Anfang der Neunziger maßgeblich in Deutschland. Die Geschichte von Technoclub, Eye Q Records und dem Frankfurter Sound — und was davon geblieben ist.
Ein deutsches Genre
Bei kaum einem anderen Stil ist der deutsche Anteil so groß und zugleich so wenig bekannt: Trance entstand Anfang der Neunziger maßgeblich in Deutschland. Zwei Städte waren die Zentren — Frankfurt und Berlin —, und was dort entwickelt wurde, prägte ein Jahrzehnt lang die europäische Tanzmusik.
Die Vorgeschichte reicht weiter zurück. Die Düsseldorfer Band Kraftwerk hatte mit Alben wie Autobahn (1974) und Trans Europa Express (1977) die Vorlage geliefert: sequenzierte, repetitive, hypnotische elektronische Musik. Auf dieser Grundlage bauten später sowohl Techno als auch Trance auf.
Frankfurt: Technoclub und Eye Q
Frankfurt hatte Anfang der Neunziger eine Dichte an Clubs, Läden und Produzenten, die in Deutschland einzigartig war — mehr dazu in Techno in Frankfurt. Für die Entwicklung des Trance waren drei Namen zentral:
- Talla 2XLC mit der Veranstaltungsreihe Technoclub, einem der frühesten und langlebigsten Formate für elektronische Musik in Deutschland.
- DJ Dag, zusammen mit Rolf Ellmer als Duo Dance 2 Trance — deren Stück Power of American Natives von 1992 gehört zu den frühen prägenden Veröffentlichungen des Genres.
- Eye Q Records, gegründet Anfang der Neunziger von Sven Väth, Matthias Hoffmann und Heinz Roth, mit Produzenten wie Ralf Hildenbeutel und Stevie B-Zet.
Eye Q prägte zwischen 1992 und 1997 den Klang des europäischen Trance. Veröffentlichungen wie Café del Mar von Energy 52, The Orange Theme von Cygnus X und No Fate von Zyon gehören zu den bekanntesten Stücken der Ära — Musik, die bis heute in Sets auftaucht.
Was Trance ausmacht
- Die große Melodie. Ausgeschrieben, oft über 16 oder 32 Takte, klar erkennbar.
- Der Aufbau. Spannung wird über Minuten erzeugt: gefilterte Flächen, ansteigende Elemente, dann der Break und die Auflösung.
- Der Breakdown. Das Schlagzeug verschwindet vollständig, nur Melodie und Fläche bleiben — das prägendste Merkmal des Genres.
- Tempo 130 bis 145 BPM, je nach Spielart und Jahrzehnt.
Aufstieg, Übertreibung, Rückzug
Ende der Neunziger wurde Trance zum kommerziellen Massenphänomen, mit großen Veranstaltungen, Chartplatzierungen und international bekannten DJs. Wie bei jedem Genre in dieser Lage folgte die Gegenbewegung: Ab Mitte der 2000er galt Trance in weiten Teilen der Clubszene als überholt, und das Publikum wanderte zu minimalerem, kühlerem Techno ab.
Verschwunden ist er nie. Die Szene blieb bestehen, mit eigenen Veranstaltungen und einem treuen Publikum — nur außerhalb des Rampenlichts.
Was davon geblieben ist
Zwei Entwicklungen sind bemerkenswert. Erstens hat Melodic Techno viele Funktionen des klassischen Trance übernommen: langer Aufbau, große Melodie, emotionale Auflösung — in dunklerer Klangfarbe und bei niedrigerem Tempo. Wer beide nebeneinander hört, erkennt dieselbe Dramaturgie.
Zweitens taucht Trance seit einigen Jahren wieder offen in Sets auf, auch in Clubs, die ihn zwischenzeitlich gemieden hätten. Der Abstand ist groß genug geworden, dass die Musik wieder für sich stehen kann.
Für DJs ist das älteste Trance-Material bis heute lehrreich: Kaum ein Genre zeigt so klar, wie Spannungsaufbau funktioniert und wie viel Wirkung in einem gut gesetzten Breakdown steckt. Wie man das im eigenen Set nutzt, steht in Das erste Clubset; die Einordnung aller Stile in der Genre-Übersicht.
Häufige Fragen
Wo ist Trance entstanden?
Maßgeblich in Deutschland, Anfang der Neunziger, mit zwei Zentren: Frankfurt und Berlin. In Frankfurt prägten unter anderem Talla 2XLC mit dem Technoclub, DJ Dag und das Label Eye Q Records um Sven Väth den Sound.
Was war Eye Q Records?
Ein Frankfurter Label, gegründet Anfang der Neunziger von Sven Väth, Matthias Hoffmann und Heinz Roth. Zwischen 1992 und 1997 prägte es den europäischen Trance entscheidend — mit Veröffentlichungen wie Café del Mar von Energy 52 und The Orange Theme von Cygnus X.
Welche Rolle spielt Kraftwerk für Trance?
Eine mittelbare, aber wichtige: Die Düsseldorfer Band lieferte mit Alben wie Autobahn und Trans Europa Express die Vorlage für sequenzierte, hypnotische elektronische Musik — die Grundlage, auf der später sowohl Techno als auch Trance aufbauten.
Gibt es Trance heute noch?
Ja, mit stabiler eigener Szene und großen Veranstaltungen. Zusätzlich hat Melodic Techno viele Funktionen des klassischen Trance übernommen: langer Aufbau, große Melodie, emotionale Auflösung — nur langsamer und dunkler.
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