DJ-Manager: was er macht, was er kostet, was im Vertrag steht
Was ein Künstlermanager für DJs leistet, welche Provision üblich ist, wie er sich vom Booker unterscheidet und welche Klauseln im Managementvertrag heikel sind.

Irgendwann kommt der Moment, in dem die Musik nicht mehr das Zeitaufwendigste an der eigenen Karriere ist. Die Mails von Veranstaltern stapeln sich, ein Label will einen Vertrag, ein Remix-Angebot liegt seit Tagen unbeantwortet im Postfach, und die eigene Pressemappe ist zwei Jahre alt. Spätestens dann fällt der Satz: „Ich brauche einen Manager.“ Manchmal stimmt das. Oft ist es aber der falsche Schluss, oder der richtige zum falschen Zeitpunkt. Dieser Artikel erklärt, was ein Künstlermanager im elektronischen Musikgeschäft tatsächlich macht, was er üblicherweise kostet, wie er sich von Booker und Agentur unterscheidet und wo ein Gericht die Grenze zur Sittenwidrigkeit gezogen hat.
Was macht ein DJ-Manager eigentlich?
Ein Manager ist für die Karriere als Ganzes zuständig, nicht für einzelne Termine. Zu seinen typischen Aufgaben gehören:
- Strategie: Welche Releases kommen wann, auf welchem Label, mit welchem Vorlauf? Welche Märkte, welche Festivals, welches Image?
- Team zusammenstellen: Booking-Agentur, Label, Verlag, PR, Anwalt, Steuerberater. Der Manager findet die Partner und hält sie auf Kurs.
- Verhandeln: Labeldeals, Remix-Aufträge, Sponsoring, Kooperationen mit Marken.
- Kommunikation: Er ist erster Ansprechpartner nach außen und filtert, was beim Künstler ankommt.
- Administration: Fristen, Abrechnungen, Anmeldungen bei Verwertungsgesellschaften im Blick behalten.
Was er in der Regel nicht ist: der Booker. In der elektronischen Musik sind die Rollen meist klar getrennt. Die Booking-Agentur verkauft Auftritte und verdient an den vermittelten Gagen, der Manager denkt die Karriere und ist an allen Einnahmen aus der künstlerischen Arbeit beteiligt. Wie Agenturen arbeiten und ab wann sie sich rechnen, steht im Artikel Booking-Agentur oder Direktbuchung. Davon zu unterscheiden ist auch der Tourmanager, der vor Ort Reisen, Transfers und Abläufe organisiert und meist pro Tour oder Tag bezahlt wird.
In kleineren Strukturen verschwimmen diese Grenzen. Gerade am Anfang macht der Manager oft auch Booking, und manche Agenturen bieten Management mit an. Das ist nicht verboten, wird in solchen Fällen aber meist im Vertrag getrennt, weil sonst zwei Provisionen auf dieselbe Gage fallen können.
Ab wann braucht ein DJ einen Manager?
Ein Manager lebt von einem Anteil an deinen Einnahmen. Daraus folgt eine einfache Logik: Solange kaum Geld fließt, kann ein Manager nicht davon leben, und ein guter wird sich das Projekt nur leisten, wenn er sehr an das Potenzial glaubt. Die üblichen Anzeichen, dass der Zeitpunkt näher rückt:
- Die Organisation frisst mehr Zeit als Produktion und Vorbereitung.
- Es gibt regelmäßig Anfragen, die du nicht mehr sauber beantwortest.
- Es stehen Entscheidungen an, die über einzelne Gigs hinausgehen: ein Labelvertrag, ein Albumprojekt, eine Agentur.
- Du verlierst Angebote, weil niemand rechtzeitig reagiert oder verhandelt.
Die Gegenrichtung gilt genauso. Wer noch keine Releases, keine Resonanz und keine regelmäßigen Gigs hat, bekommt durch einen Manager selten mehr davon. Viele Künstler bauen die Grundlagen deshalb erst selbst auf: ein brauchbares Pressekit mit Pressetext und EPK, eine erkennbare künstlerische Linie, erste Releases. Das ist dann auch genau das Material, mit dem sich ein Manager überzeugen lässt.
Wie viel Provision nimmt ein Manager?
Als branchenüblich gelten 15 bis 20 Prozent der Bruttoeinnahmen aus der künstlerischen Tätigkeit. Der Satz ist verhandelbar und hängt davon ab, wie viel Aufbauarbeit nötig ist, wie etabliert beide Seiten sind und ob der Manager exklusiv arbeitet. Wichtiger als die nackte Zahl sind drei Fragen:
Wovon wird gerechnet?
Brutto oder netto macht einen großen Unterschied. Bei einer Gage, von der noch Flüge, Hotel und Agenturprovision abgehen, kann eine Provision auf den Bruttobetrag einen spürbaren Teil des tatsächlichen Gewinns verschlingen. Viele Verträge nehmen deshalb bestimmte Posten aus der Bemessungsgrundlage heraus, etwa Reise- und Produktionskosten oder die Provision der Booking-Agentur.
Welche Einnahmen zählen?
Typisch ist eine Beteiligung an allen Erlösen aus der Musik- und Unterhaltungstätigkeit: Gagen, Labelvorschüsse, Lizenzen, Remix-Honorare, Sponsoring, Merchandise. Häufig ausgenommen sind Einnahmen, die nichts mit der Karriere zu tun haben. Strittig wird es oft bei Altverträgen, die vor dem Management geschlossen wurden, etwa bei laufenden Tantiemen aus älteren Tracks.
Wer zahlt die Spesen?
Reisen, Telefon, Promo-Budgets: Ob der Manager sie aus seiner Provision trägt oder an den Künstler weitergibt, wird im Vertrag geregelt, oft mit einer Grenze, ab der er vorher fragen muss.
Was steht in einem Managementvertrag?
Rechtlich ist der Managementvertrag in Deutschland ein Dienstvertrag nach § 611 BGB, meist mit Elementen der Geschäftsbesorgung nach § 675 BGB. Ein gesetzliches Muster für die Branche gibt es nicht. Die folgenden Punkte tauchen in fast jedem Vertrag auf und verdienen besondere Aufmerksamkeit:
- Laufzeit: Oft drei Jahre, manchmal mit Verlängerungsoptionen. Wer die Option ziehen darf, ist entscheidend. Liegt sie allein beim Management, bindet das den Künstler einseitig.
- Exklusivität: Üblich für den Künstler. Ob auch der Manager Beschränkungen bei der Zahl seiner Acts eingeht, ist Verhandlungssache.
- Vollmacht: Darf der Manager nur verhandeln oder auch unterschreiben? Eine Abschlussvollmacht für langfristige Verträge wie Label- oder Verlagsdeals behalten viele Künstler sich selbst vor.
- Kündigung: § 627 BGB erlaubt bei Diensten höherer Art, die auf besonderem Vertrauen beruhen, eine Kündigung jederzeit. Viele Verträge schließen das aus. In vorformulierten Standardverträgen ist ein solcher Ausschluss nach der Rechtsprechung aber angreifbar. Die fristlose Kündigung aus wichtigem Grund nach § 626 BGB bleibt ohnehin bestehen.
- Nachprovision: Sogenannte Sunset-Klauseln beteiligen den Manager nach Vertragsende weiter, meist an Einnahmen aus Deals, die er während der Laufzeit abgeschlossen hat, und oft mit sinkendem Satz. Das ist grundsätzlich nachvollziehbar, weil er die Arbeit geleistet hat. Problematisch wird es, wenn die Klausel auch neue Einnahmen erfasst oder sehr lange läuft.
Wer sich mit Labelverträgen schon beschäftigt hat, kennt viele dieser Mechaniken. Der Artikel Labelvertrag verstehen erklärt Vertragstypen, Laufzeiten, Beteiligung und Exklusivität aus Sicht der Produzenten.
Wann ist ein Managementvertrag sittenwidrig?
Wie weit ein Managementvertrag gehen darf, hat das Landgericht Potsdam am 2. Juni 2021 (Az. 2 O 101/20) in einem Urteil gezeigt. Ein Label- und Managementunternehmen aus dem Schlagerbereich hatte eine Sängerin auf Vertragsstrafen verklagt. Das Gericht wies die Klage ab und erklärte den Vertrag samt Zusatzvereinbarungen nach § 138 BGB für sittenwidrig und damit nichtig.
Die Klauseln, die das Gericht beanstandete, lesen sich wie eine Sammlung typischer Problemklauseln:
- 60 Prozent der Netto-Konzertgage gingen an das Management, die Künstlerin behielt 40 Prozent.
- Von Lizenzen und Tantiemen erhielt das Management nach Abzug der Kosten 50 Prozent, beim Merchandise sogar 90 Prozent.
- Die Laufzeit betrug fünf Jahre und verlängerte sich automatisch um jeweils drei weitere.
- Nach Vertragsende sollte das Management ein Jahr lang den vollen Beteiligungssatz und zwei weitere Jahre 60 Prozent davon erhalten.
- Verträge mit Dritten durfte die Künstlerin nur mit Zustimmung des Managements schließen, während das Management mit umfassender Vollmacht selbst in ihrem Namen abschließen durfte. Ihre formal zugesagte künstlerische Entscheidungsbefugnis nahm zudem die Ausstattung von Künstlerin und Auftritten sowie Equipment und Technik aus. Nach Ansicht des Gerichts blieb ihr damit kaum Spielraum.
Entscheidend war die Gesamtschau: Hohe Beteiligung, lange Bindung und der Verlust eigener Entscheidungsfreiheit zusammen ergaben einen Knebelvertrag. Das Gericht berücksichtigte außerdem, dass die Sängerin bei Vertragsschluss noch minderjährig und im Umgang mit solchen Verträgen unerfahren war. Die Provisionssätze allein nannte das Gericht wucherähnlich. Ein Landgerichtsurteil bindet andere Gerichte nicht, zeigt aber, woran ein Gericht die Grenze festmacht.
Wie findet man einen seriösen Manager?
Gute Manager suchen selten über Anzeigen. Die meisten Verbindungen entstehen über das bestehende Umfeld: Labelbetreiber, Booker, Promoter oder andere Künstler, die mit ihrem Management zufrieden sind. Ein üblicher Weg ist, zu schauen, wer Acts mit ähnlicher Größe und Stilrichtung betreut, und dort nachzufragen.
Einige Warnzeichen tauchen immer wieder auf: Gebühren im Voraus statt Provision, Druck zur schnellen Unterschrift, Verträge, die nur das Management verlängern darf, und Manager, die keinen einzigen aktiven Act nennen können. Ein seriöser Manager hat kein Problem damit, dass du den Vertrag vor der Unterschrift von einem Anwalt mit Schwerpunkt Musikrecht prüfen lässt. Viele empfehlen das sogar selbst, weil ein ausgewogener Vertrag die Zusammenarbeit stabiler macht.
Manche Verträge beginnen mit einer Probezeit oder einer kurzen ersten Laufzeit, etwa einem Jahr. Das gibt beiden Seiten Zeit zu sehen, ob die Chemie stimmt und ob sich etwas bewegt.
Fazit
Ein Manager ist kein Zauberstab, der eine Karriere startet, sondern ein Partner, der eine laufende Karriere schneller und klüger macht. Er kostet üblicherweise 15 bis 20 Prozent, und dieser Anteil rechnet sich, wenn er mehr bewegt, als du selbst in derselben Zeit schaffen würdest. Ob ein Vertrag fair ist, entscheiden Bemessungsgrundlage, Laufzeit, Kündigungsrecht und Nachprovision mehr als der Prozentsatz auf dem Deckblatt.
Häufige Fragen
Wie viel Prozent bekommt ein Manager in der Musik?
Üblich sind 15 bis 20 Prozent der Bruttoeinnahmen aus der künstlerischen Tätigkeit. Bei einem bekannten Act mit hohem Umsatz kann der Satz niedriger liegen, bei einem Newcomer, für den der Manager viel unbezahlte Aufbauarbeit leistet, auch etwas höher. Entscheidend ist neben dem Prozentsatz, von welchem Betrag er berechnet wird und welche Einnahmen ausgenommen sind.
Was ist der Unterschied zwischen Manager und Booker?
Der Booker oder die Booking-Agentur verkauft Auftritte und erhält dafür eine Provision auf die vermittelten Gagen. Der Manager kümmert sich um die gesamte Karriere: Strategie, Releases, Labels, Team, Außendarstellung. Er ist in der Regel an allen Einnahmen aus der künstlerischen Arbeit beteiligt, nicht nur an den Gigs.
Kann man einen Managementvertrag kündigen?
Ein Managementvertrag ist rechtlich ein Dienstvertrag mit Geschäftsbesorgungscharakter. Nach § 627 BGB lassen sich Dienste höherer Art, die auf besonderem Vertrauen beruhen, grundsätzlich jederzeit kündigen. Viele Verträge schließen dieses Recht aus. In vorformulierten Verträgen, also AGB, gilt ein solcher Ausschluss nach der Rechtsprechung aber als angreifbar. Ob das im Einzelfall gilt, hängt vom konkreten Vertrag ab.
Was ist eine Sunset-Klausel im Managementvertrag?
Eine Sunset-Klausel regelt, dass der Manager auch nach Vertragsende noch an Einnahmen beteiligt wird, meist an solchen aus Verträgen, die während der Vertragslaufzeit geschlossen wurden. Häufig sinkt die Beteiligung dabei stufenweise. Wie lange und in welcher Höhe, ist Verhandlungssache.
Braucht ein DJ ohne Gigs einen Manager?
Meist nicht. Ein Manager verdient an Einnahmen, die bereits fließen oder absehbar sind. Solange es kaum Anfragen, Releases oder Gagen gibt, gibt es für ihn wenig zu verwalten und für dich wenig, wovon du eine Provision abgeben könntest. Viele bauen die Grundlagen deshalb zunächst selbst auf.
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