Pressetext und EPK für Musiker schreiben
Was in einen Pressetext gehört, wie ein elektronisches Pressekit aufgebaut ist und welche Formulierungen dafür sorgen, dass eine Redaktion nicht weiterliest.
Wozu der Text dient
Ein Pressetext ist kein Werbetext, sondern eine Arbeitsvorlage. Der Idealfall ist, dass eine Redaktion Sätze daraus übernimmt, ohne sie umzuschreiben. Genau deshalb funktionieren die Formulierungen nicht, die den meisten zuerst einfallen: eine Klangreise durch pulsierende Soundwelten kann niemand abdrucken, weil es nichts behauptet, was überprüfbar wäre.
Der Maßstab für jeden Satz ist deshalb einfach: Könnte eine Redaktion diesen Satz in einem Artikel stehen lassen? Wenn nicht, gehört er nicht in den Text.
Der Aufbau
Ein Pressetext, der funktioniert, hat drei Absätze und eine Kurzfassung.
- Kurzfassung (zwei bis drei Sätze). Wer, woher, was, wann. Diese Fassung wird am häufigsten benutzt, weil sie in eine Ankündigung passt.
- Absatz eins — das Release. Titel, Genre, Label, Datum, was den Track ausmacht. Konkret: Tempo, Struktur, Instrumentierung, wofür er gedacht ist.
- Absatz zwei — die Person. Woher, seit wann, wie es angefangen hat, wo gespielt wird. Hier gehört die Geschichte hin, nicht in Absatz eins.
- Absatz drei — die Belege. Releases, Labels, Zahlen, Support, Auftritte, Airplay, Presse. Nur Nachprüfbares.
Dazu ein Zitat von einem Satz, das die Haltung zum Release ausdrückt. Es ist der Teil, den Redaktionen am liebsten nehmen, weil er den Artikel persönlich macht.
Was das EPK enthalten muss
Das Pressekit ist die eine Adresse, die man verschickt. Wer stattdessen fünf Anhänge anfügt, verliert Leute. Was hineingehört:
- Kurz- und Langbiografie in derselben Datei.
- Fotos in Druckauflösung, quer und hoch, mit Angabe des Fotografen für den Bildnachweis.
- Musik — vor Release als privater Link, danach als Streaming-Links.
- Video — ein Set-Ausschnitt reicht und wirkt bei Veranstaltern stärker als jeder Text.
- Technische Angaben für Auftritte: was benötigt wird, was mitgebracht wird. Der Rahmen dafür steht in Vertrag und Rider.
- Kontakt — eine Mailadresse, die gelesen wird, plus Booking-Kontakt, falls jemand vermittelt.
- Logo und Schreibweise des Namens. Klingt nebensächlich, verhindert aber falsch geschriebene Namen in Ankündigungen.
Am besten liegt das Ganze auf einer eigenen Seite unter der eigenen Domain, nicht in einer Cloud-Freigabe, die irgendwann abläuft. Wie eine solche Seite aussehen kann, zeigt der Aufbau einer Booking-Seite.
Formulierungen, die schaden
- Superlative ohne Beleg. Einer der aufregendsten Newcomer — nach wessen Maßstab?
- Vergleiche nach oben. Sich neben die größten Namen des Genres zu stellen, wirkt in der Branche nicht selbstbewusst, sondern unerfahren. Vergleiche nach der tatsächlichen Verortung, nicht nach dem Wunschziel.
- Zahlen ohne Bezug. Über 10.000 Streams arbeitet gegen den Text, weil die Zahl klein ist. Kleine Zahlen weglassen, statt sie zu betonen.
- Metaphern statt Beschreibungen. Hypnotische Klangflächen sagt weniger als 124 BPM, Dub-Techno-Flächen, kein Drop.
- Alles im Präsens der Ankündigung. Wer nur beschreibt, was kommen wird, liefert nichts zum Zitieren.
Ein Beispiel für den Unterschied
Schwach: Mit seinem neuen Track entführt der Künstler die Hörer auf eine energetische Reise durch die Welten des modernen Dancefloors.
Brauchbar: Der Track läuft auf 126 BPM, verzichtet auf einen klassischen Drop und arbeitet stattdessen mit einer über zwei Minuten aufgebauten Bassline. Veröffentlicht wird er am 14. August auf [Label], nachdem eine frühere Fassung seit April in Sets von [Name] lief.
Der zweite Text ist länger, aber jeder Satz darin ist verwendbar. Wer solche Sätze schreiben will, muss über die eigene Musik nachdenken — was der eigentliche Grund ist, warum die meisten Pressetexte zu Metaphern greifen. Wer sich beim Beschreiben schwertut, findet Vokabular in Aufbau eines Clubtracks und in den Genre-Beschreibungen.
Einmal bauen, dauerhaft pflegen
Das EPK ist Arbeit von einem Wochenende und danach eine halbe Stunde pro Release. Der Fehler, den fast alle machen, ist nicht, es nie zu bauen — sondern es nach dem Bauen zwei Jahre nicht anzufassen. Ein Pressekit mit Fotos von 2023 und einem Release von 2024 schadet mehr als keines, weil es signalisiert, dass gerade nichts passiert.
Häufige Fragen
Wie lang sollte ein Pressetext sein?
Eine Seite, gegliedert in drei Absätze: was es ist, wer dahintersteht, was belegbar ist. Dazu eine Kurzfassung von zwei bis drei Sätzen, die eine Redaktion ohne Änderung übernehmen kann. Beide Fassungen gehören in dieselbe Datei.
Was ist ein EPK?
Ein elektronisches Pressekit — eine einzige Seite oder ein Ordner mit allem, was Presse, Veranstalter und Labels brauchen: Kurz- und Langbiografie, Fotos in Druckauflösung, Musik, Videos, Bühnenanforderungen und Kontakt. Der Sinn liegt darin, dass niemand nachfragen muss.
Braucht man professionelle Fotos?
Ja. Fotos sind der Posten, an dem sich Sparen am deutlichsten sieht — sie entscheiden, ob ein Artikel erscheint, weil ohne verwendbares Bild in Druckauflösung kein Layout möglich ist. Zwei bis drei brauchbare Motive genügen, dafür in hoher Auflösung, quer und hoch.
Soll der Pressetext in der ersten oder dritten Person stehen?
In der dritten Person. Ein Pressetext ist dazu gedacht, ganz oder in Teilen übernommen zu werden — in der Ich-Form geht das nicht. Persönliche Zitate stehen als klar markierte Zitate darin.
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