MAXIM SCHUNK
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Marketing24. Juli 20268 Min. Lesezeit

Musikpresse und Blogs in Deutschland anschreiben

Welche deutschen Medien elektronische Musik überhaupt behandeln, wie ein Pitch aussehen muss, der gelesen wird, und welche Fehler dafür sorgen, dass die Mail ungeöffnet gelöscht wird.

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Die Landschaft ist kleiner, als man denkt — das ist die Chance

Für elektronische Musik in Deutschland ist die Medienlage überschaubar, und genau das macht sie erreichbar. Es gibt keine hundert Redaktionen, die man abarbeiten muss, sondern eine Handvoll relevante Adressen plus eine wechselnde Zahl von Blogs und Szeneportalen. Wer sich zwei Nachmittage Zeit nimmt, hat die Liste, die für Jahre trägt.

  • Groove — das Referenzmedium der Szene, von 1989 bis 2018 als Printmagazin, seit dann digital. Zusammen mit de:Bug und Raveline galt es als eines der wichtigsten deutschen Magazine für elektronische Musik.
  • FAZEmag — monatliches Magazin für elektronische Tanzmusik, 2012 von der ehemaligen Raveline-Redaktion gegründet.
  • Raveline — 1992 als achtseitiges Fanzine gestartet, binnen eines Jahres auf bis zu 130 Seiten gewachsen, Print bis Februar 2013; das Archiv wurde digitalisiert, 2025 folgte ein digitales Comeback mit ehemaligen Gründungsmitgliedern.
  • Blogs, Podcasts und Szeneportale — der Teil, der sich am schnellsten verändert und in dem am ehesten über kleine Acts geschrieben wird. Hier findet man Ansprechpartner meist direkt.

Ohne Aufhänger kein Artikel

Der Grund, warum die meisten Pitches scheitern, ist nicht die Musik, sondern das Fehlen einer Nachricht. Neuer Track erschienen ist keine Nachricht — davon gibt es täglich hunderte. Eine Nachricht ist, was jemand seinen Lesern erzählen könnte:

  • Eine ungewöhnliche Entstehungsgeschichte oder ein besonderer Aufnahmeort.
  • Ein Bezug zu einem Ort, einer Szene, einem Club — regionale Medien greifen das dankbar auf.
  • Eine Zusammenarbeit mit einem Namen, den die Redaktion kennt.
  • Ein Label mit Profil, ein Auftritt auf einem relevanten Festival, siehe Festival-Übersicht.
  • Eine Haltung zu einem Thema, das die Szene gerade beschäftigt — etwa die Lage der Clubs, siehe Clubsterben und Clubkultur 2026.

Wer keinen Aufhänger hat, sollte einen bauen, statt eine Mail zu verschicken, die nichts bietet.

Die Mail

Aufbau, der funktioniert:

  • Betreff: Künstlername, Titel, Genre, Releasedatum. Keine Fragen, keine Ausrufezeichen.
  • Erster Satz: wer man ist und woher — mit einem Beleg, wenn es einen gibt.
  • Zweiter bis vierter Satz: der Aufhänger. Was ist an diesem Release erzählbar.
  • Danach: privater Hörlink, Pressetext, Fotos in Druckauflösung, Kontakt. Keine Anhänge — Links.
  • Persönliche Anrede. Der Name der Person, die man anschreibt, nicht liebes Team.

Was in die Mail nicht gehört: Sammelempfänger im CC, Superlative, Vergleiche mit Weltstars, Streamingzahlen unter einer Größenordnung, die etwas bedeutet, und lange Lebensläufe. Das Material, das man mitschickt, sollte vorher stehen — wie ein brauchbarer Pressetext aufgebaut ist, steht in Pressetext und EPK.

Timing und Nachfassen

Zwei bis vier Wochen vor Release ist der Punkt, an dem Redaktionen etwas mit einer Einreichung anfangen können. Danach ist die Neuigkeit weg. Ein einziges Nachfassen nach etwa einer Woche ist üblich und wird nicht als aufdringlich empfunden — zwei sind zu viel. Wer keine Antwort bekommt, hat in der Regel kein Ablehnungsschreiben verdient, sondern eine überfüllte Inbox getroffen.

Was langfristig mehr bringt als jede einzelne Mail: dieselben Leute über Jahre mit passendem Material versorgen. Redaktionen merken sich, wer verlässlich brauchbare Sachen schickt und wer alles wahllos verteilt.

Regionale Presse als unterschätzter Hebel

Die überregionalen Szenemagazine sind schwer, die lokale Presse ist offen. Eine Stadtzeitung oder ein Stadtmagazin schreibt gern über jemanden aus der Region, der auf einem bekannten Festival spielt oder ein Release auf einem Label veröffentlicht. Der Artikel erreicht weniger Fachpublikum, aber er ist ein zitierbarer Beleg, der in jeder weiteren Mappe wirkt — und er ist oft der erste Presseartikel überhaupt. Wer in Nordrhein-Westfalen sitzt, findet Anknüpfungspunkte über die lokale Szene, siehe Elektronische Musik im Ruhrgebiet und Clubs in Düsseldorf.

Häufige Fragen

Welche deutschen Magazine berichten über elektronische Musik?

Groove ist das Referenzmedium der Szene — von 1989 bis 2018 als Print, seither digital. FAZEmag erscheint monatlich und wurde 2012 von der ehemaligen Raveline-Redaktion gegründet. Raveline selbst lief von 1992 bis Februar 2013 und feierte 2025 ein digitales Comeback. Dazu kommen zahlreiche kleinere Blogs und Szeneportale.

Wie lang darf eine Pitch-Mail sein?

Kurz. Betreff mit Künstlername, Titel und Releasedatum, dann drei bis fünf Sätze, dann Links. Redaktionen entscheiden in Sekunden, ob sie weiterlesen. Ein langer Text signalisiert, dass niemand die Arbeit gemacht hat, das Wesentliche herauszuziehen.

Wie früh sollte man Presse anschreiben?

Zwei bis vier Wochen vor Release, mit privatem Hörlink. Wer nach der Veröffentlichung anschreibt, bietet keine Neuigkeit mehr an — und Neuigkeit ist das, was Redaktionen brauchen.

Lohnt sich eine PR-Agentur?

Erst wenn es etwas zu erzählen gibt, das über einen Release hinausgeht. Eine Agentur verschafft Zugang und Glaubwürdigkeit, kann aber keine Geschichte erfinden. Ohne belastbaren Aufhänger ist das Geld besser in Produktion oder Fotos angelegt.


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