Musik veröffentlichen in Deutschland: Vertrieb, ISRC und Zeitplan
Welcher Musikvertrieb passt zu wie vielen Releases, was ein ISRC ist und warum der Release-Termin sechs Wochen vorher feststehen sollte.
Der Weg von der fertigen Datei zum Streaming-Dienst
Ein fertiger Master ist kein Release. Zwischen der WAV-Datei auf deiner Festplatte und dem Track in den Streaming-Diensten liegt ein Vertrieb — ein Dienstleister, der deine Musik an Spotify, Apple Music, Deezer, Amazon und die übrigen Plattformen ausliefert.
Direkt bei Spotify hochladen können Künstler nicht. Der Vertrieb übernimmt die Auslieferung, die Metadaten, die ISRC-Vergabe und die Auszahlung der Einnahmen.
Die zwei Preismodelle
Der Markt teilt sich in zwei Modelle, und die Entscheidung dazwischen hängt fast ausschließlich davon ab, wie viel du veröffentlichst.
Flatrate pro Jahr: DistroKid liegt bei rund 20 bis 25 Euro im Jahr für unbegrenzte Singles und Alben. recordJet startet im Premium-Tarif bei etwa 9 Euro jährlich, MusicHub bei rund 48 Euro im Jahr beziehungsweise 5 Euro monatlich. TuneCore und Amuse bewegen sich in einer ähnlichen Größenordnung.
Bezahlung pro Release: CD Baby verlangt etwa 9,99 US-Dollar pro Single und 14,99 US-Dollar pro Album, iMusician arbeitet ähnlich. Dafür bleibt die Veröffentlichung dauerhaft online, ohne dass ein Abo weiterlaufen muss.
Die Faustregel: Ab drei bis vier Releases im Jahr lohnt sich die Flatrate. Wer einmal jährlich eine Single herausbringt, fährt mit dem Pay-per-Release-Modell günstiger — und riskiert nicht, dass der Katalog bei einer vergessenen Abobuchung offline geht.
Die Frage, die niemand vorher stellt
Genau dieser Punkt entscheidet langfristig mehr als der Preis: Bleibt deine Musik online, wenn du nicht mehr zahlst? Bei Flatrate-Anbietern hängt der Katalog am aktiven Abo. Wer nach drei Jahren aufhört zu zahlen, verschwindet unter Umständen aus den Diensten — samt aufgebauter Playlist-Platzierungen und Streaming-Historie.
Bei Pay-per-Release-Anbietern ist die Veröffentlichung mit der Zahlung abgegolten. Für einen wachsenden Katalog, der über Jahre Einnahmen bringen soll, ist das ein Argument, das man nicht unterschätzen sollte.
ISRC, UPC und warum Metadaten alles sind
Der ISRC ist die eindeutige Kennung einer einzelnen Aufnahme. Über ihn wird jede Abspielung zugeordnet — bei Streaming-Diensten, im Radio, bei der GVL. Die meisten Vertriebe vergeben ihn automatisch, DistroKid etwa erledigt das ohne Zutun.
Der UPC beziehungsweise die EAN kennzeichnet dagegen das gesamte Release, also die Single oder das Album als Produkt.
Beide Codes sind kein Formalkram: Wenn dieselbe Aufnahme unter zwei verschiedenen ISRCs kursiert, werden Streams doppelt geführt und Ausschüttungen laufen ins Leere. Wer einen Track später remastert oder neu veröffentlicht, sollte deshalb wissen, wann ein neuer ISRC gerechtfertigt ist und wann nicht.
Der Zeitplan: sechs Wochen sind das Minimum
Der häufigste vermeidbare Fehler ist ein zu kurzer Vorlauf. Ein realistischer Ablauf sieht so aus:
- Sechs Wochen vorher: Master fertig, Artwork fertig, Upload beim Vertrieb mit gesetztem Releasedatum.
- Vier Wochen vorher: Pitch über Spotify for Artists einreichen. Das ist die einzige Chance auf redaktionelle Playlists — und sie ist an den Vorlauf gebunden.
- Zwei Wochen vorher: Ankündigung in den eigenen Kanälen, Pre-Save-Link ausspielen.
- Releasetag: Alles gleichzeitig — Story, Post, Newsletter, DJ-Promo.
- Danach: Der Release ist nicht am Freitagabend vorbei. Die ersten vier Wochen entscheiden über die algorithmische Weiterverbreitung.
Vertrieb ersetzt keine Verwertungsgesellschaft
Ein Punkt, der regelmäßig durcheinandergeht: Der Vertrieb zahlt dir die Streaming-Einnahmen aus. Er hat nichts mit den Ausschüttungen der GEMA für die Komposition oder der GVL für die Aufnahme zu tun. Das sind drei getrennte Geldflüsse, und du bekommst nur die, für die du angemeldet bist.
Wie man die Wahl trifft
Drei Fragen reichen: Wie viele Releases planst du im Jahr? Sollen die Titel auch ohne laufendes Abo online bleiben? Willst du reinen Vertrieb oder zusätzlich Analytics, Sync-Vermittlung und Verlagsadministration?
Wer diese drei Antworten hat, kommt bei der Anbieterwahl in fünf Minuten zum Ergebnis — statt wochenlang Vergleichstabellen zu lesen.
Ein über Jahre gewachsener Katalog mit über 200 Millionen Streams lässt sich auf Spotify hören. Mehr zum Arbeitsalltag gibt es auf Instagram @maximschunk.
Häufige Fragen
Welcher Musikvertrieb ist der günstigste?
recordJet startet im Premium-Tarif bei etwa 9 Euro im Jahr, DistroKid liegt bei rund 20 bis 25 Euro jährlich für unbegrenzte Releases. Ab drei bis vier Veröffentlichungen im Jahr lohnt sich eine Flatrate, darunter ist Bezahlung pro Release günstiger.
Was ist ein ISRC und brauche ich einen?
Der ISRC ist die eindeutige Kennung einer einzelnen Aufnahme, über die jede Abspielung zugeordnet wird. Die meisten Vertriebe vergeben ihn automatisch.
Wie lange vor dem Release muss ich hochladen?
Mindestens sechs Wochen. Der Pitch über Spotify for Artists braucht vier Wochen Vorlauf — das ist die einzige Chance auf redaktionelle Playlists.
Bleibt meine Musik online, wenn ich das Abo kündige?
Bei Flatrate-Anbietern hängt der Katalog am aktiven Abo und kann bei Kündigung offline gehen. Bei Pay-per-Release-Modellen ist die Veröffentlichung mit der einmaligen Zahlung abgegolten.
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