MAXIM SCHUNK
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Aktuell3. Oktober 20265 Min. Lesezeit

glimmer: Neuer Club im alten Moloch am Hamburger Oberhafen

Am 2. Oktober 2026 hat im ehemaligen Moloch am Oberhafen der Club glimmer eröffnet. Was neu ist, wer dahintersteht und warum es am Lärmschutz hängt.

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Symbolbild, KI-generiert
Symbolbild, KI-generiert

Am Freitagabend, dem 2. Oktober 2026, war im alten Lokschuppen am Hamburger Oberhafen wieder Clubbetrieb. Unter dem Namen glimmer hat dort ein neuer Club eröffnet, an genau der Stelle, an der bis 2019 das Moloch lief. Die Online-Tickets für den Eröffnungsabend waren laut Groove vorab ausverkauft. Hinter dem Projekt stehen Anton Burmester, Johann Kipping und Luke Mehrhoff, die man in Hamburg bisher von der Partyreihe Synthetic Love kennt. Angekündigt hatten die Eröffnung die Hamburger Kulturbehörde und Szene Hamburg, Groove berichtete am Eröffnungstag.

Ein neuer Club ist für sich schon eine Nachricht in einer Zeit, in der vielerorts Clubs schließen. Interessanter ist aber, wie dieser hier zustande gekommen ist. Das glimmer ist kein Szeneprojekt, das sich eine Lücke gesucht hat, sondern das Ergebnis eines geordneten Verfahrens auf einer Fläche, die der Stadt gehört. Und es steht an einem Ort, an dem genau dieser Konflikt schon einmal verloren wurde.

Was das glimmer ist

Der Club liegt in der Stockmeyerstraße 43 im Oberhafenquartier, zwischen Bahngleisen und Oberhafenkanal am Ostrand der HafenCity. Der ehemalige Lokschuppen hat insgesamt 548 Quadratmeter, davon 296 Quadratmeter Veranstaltungsraum und 252 Quadratmeter Nebenfläche. Ausgelegt ist er für bis zu 600 Personen. Szene Hamburg beschreibt zwei Floors, zwei Bars und eine Chill-Area, dazu Büroräume mit Werkstatt und Studio.

Musikalisch setzen die Betreiber bei den Clubnächten auf Techno, House und Trance, geöffnet wird freitags und samstags. Das Konzept ist aber breiter angelegt: Neben eigenen, kuratierten Nächten sollen externe Kollektive ihre Veranstaltungen umsetzen können, dazu kommen Konzerte, Lesungen, Theater, Workshops und ein Nachtflohmarkt. Zur Eröffnung spielten live Carlo Karacho, JustforFun und Tam Nook, an den Plattenspielern standen Narciss und Spacer Woman.

Das Gebäude gehört dem Sondervermögen Stadt und Hafen und wird von der städtischen HafenCity Hamburg GmbH verwaltet, die Betreiber sind Mieter. Den Zuschlag hatten sie in einem Interessenbekundungsverfahren bekommen, das die HafenCity und die Hamburg Kreativ Gesellschaft im Herbst 2024 ausgeschrieben hatten; beteiligt war auch der Verein Oberhafen 5+1, der die Nutzer des Quartiers vertritt. Bewerbungsschluss war der 12. Januar 2025, das Ergebnis gab die HafenCity am 12. Dezember 2025 bekannt. Kriterien waren nach Angaben der HafenCity Kreativität, Innovationskraft und wirtschaftliche Tragfähigkeit.

Was mit dem Moloch passiert ist

Wer den Namen Moloch noch kennt, weiß, warum diese Eröffnung in Hamburg mehr bedeutet als ein neuer Eintrag im Wochenendprogramm. Das Moloch lief von 2014 bis 2019 im selben Lokschuppen und war bekannt für sehr lange Partys abseits von Kiez und Schanze. Angelegt war es als Zwischennutzung auf einem Gelände, das lange brachlag.

Dann kam die Nachbarschaft. Als die Wohnhäuser der HafenCity auf der anderen Seite des Bahndamms bezugsfertig wurden, häuften sich die Lärmbeschwerden. Schon Anfang 2018 berichtete das Hamburger Studierendenmagazin Fink.Hamburg über eine vorübergehende Schließung wegen Lärmbeschwerden. Im September 2019 endete der Betrieb nach fünf Jahren, nachdem sich die Betreiber und das Gängeviertel, das die Fläche verwaltete, nicht auf eine Fortsetzung einigen konnten. Das Nachfolgeprojekt Anderswelt, geplant bis Juni 2020, war die letzte Nutzung; 2020 war endgültig Schluss.

Das Muster ist aus vielen Städten bekannt: Kultur zieht in eine Brache, macht sie interessant, Wohnungen folgen, und am Ende verliert die Kultur den Streit um die Lautstärke. Wie andere Clubs in Deutschland an Zwischennutzungen, Anwohnern oder gekündigten Mietverträgen gescheitert sind, zeigt unser Rückblick auf die Clubs, die es nicht mehr gibt.

Warum diesmal der Lärmschutz entscheidet

Der Unterschied zum Moloch liegt weniger im Programm als im Bau. Die Halle wurde vor dem Einzug saniert, die HafenCity hat eine Schallschutzdecke eingebaut, und die Betreiber haben zusätzlich selbst in Akustik und Schallschutz investiert; die HafenCity hatte die Fläche schon bei der Ausschreibung als genehmigt für lärmintensive Nutzungen wie Livemusik angeboten. Die Sanierungen im Oberhafen fördert der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien mit rund drei Millionen Euro, darunter auch die Herstellung der Clubfläche. Den eigenen Ausbau haben die Betreiber laut Szene Hamburg mit Eigenkapital, Krediten und Geld einer Privatperson finanziert. Nächtliche Veranstaltungen im Freien, beim Moloch Teil des Reizes und des Ärgers, sind dem glimmer nicht erlaubt.

Die Reihenfolge ist hier der eigentliche Punkt. Beim Moloch wurde der Konflikt erst sichtbar, als die Nachbarn schon da waren, und dann ging es nur noch um Nachrüsten oder Aufgeben. Beim glimmer ist der Schallschutz vor der ersten Nacht eingebaut, die Schallschutzdecke im Zuge der öffentlich geförderten Sanierung, und die Nutzung ist von Anfang an als Club gedacht statt als Übergangslösung. Das schützt den Laden nicht vor jeder Beschwerde, nimmt dem typischen Streit aber die häufigste Grundlage.

Was das für die Clubszene bedeutet

Das glimmer passt in eine Entwicklung, die sich in mehreren Städten abzeichnet: Die öffentliche Hand tritt nicht mehr nur als Genehmigungsbehörde auf, sondern als Vermieterin oder Mieterin von Clubflächen. In Berlin hat der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg im September beschlossen, die Kulturflächen auf dem RAW-Gelände selbst anzumieten und an die Clubs weiterzugeben. In Münster ist der Hawerkamp ein älteres Beispiel dafür, wie aus einem Industriegelände ein dauerhaftes Clubareal werden kann.

Der Vorteil solcher Modelle liegt auf der Hand: Die Fläche bleibt bezahlbar und gehört nicht einem Investor, der sie in fünf Jahren lieber als Büro vermietet. Der Oberhafen soll laut Kulturbehörde im Eigentum der Stadt bleiben, mit niedrigen Mieten und bewusst reduzierten Gebäudestandards. Der Preis dafür ist ein Stück Kontrolle. Ein Club, der ein Interessenbekundungsverfahren gewinnen muss, wird nach Kriterien wie wirtschaftlicher Tragfähigkeit ausgewählt, und das Konzept mit Lesungen, Theater und Flohmarkt liest sich auch als Antwort auf das, was eine städtische Gesellschaft in einem Kreativquartier sehen will. Das ist kein Vorwurf, aber ein anderer Ausgangspunkt als beim Moloch, das als Zwischennutzung gestartet war.

Für Hamburg ist die Eröffnung trotzdem ein Gewinn. Die Stadt hat eine dichte, aber kleinteilige Szene, die stark mit Livemusik verzahnt ist, wie unser Überblick über die Hamburger Clubs zeigt. Ein Raum für bis zu 600 Leute mit Fokus auf Techno, House und Trance, der lokale Kollektive einbinden will, füllt dort eine Lücke zwischen dem winzigen Golden Pudel und den großen Hallen.

Wie es weitergeht

Ob das Modell trägt, zeigt sich nicht am Eröffnungswochenende, sondern im ersten Winter, wenn die Neugier nachlässt und die Rechnung aus Miete, Krediten und Personal auch an normalen Wochenenden aufgehen muss. Entscheidend wird auch sein, ob der Schallschutz hält, was er verspricht. Wenn ja, steht am Oberhafen etwas, das es in Deutschland zu selten gibt: ein Club an einem Ort, an dem schon einmal einer am Lärm gescheitert ist, und der diesmal von Anfang an dafür gebaut wurde.

Häufige Fragen

Wo ist der Club glimmer in Hamburg?

In der Stockmeyerstraße 43 im Oberhafenquartier, am Rand der HafenCity. Der Club nutzt den ehemaligen Lokschuppen, in dem von 2014 bis 2019 das Moloch lief.

Wann hat glimmer geöffnet?

Eröffnet hat der Club am Freitag, dem 2. Oktober 2026, mit einem Eröffnungswochenende. Laut Szene Hamburg sind Clubnächte freitags und samstags geplant.

Wer betreibt glimmer?

Anton Burmester, Johann Kipping und Luke Mehrhoff, die in Hamburg bisher mit der Partyreihe Synthetic Love bekannt waren. Sie haben sich in einem Interessenbekundungsverfahren der HafenCity Hamburg GmbH durchgesetzt, das Ergebnis wurde im Dezember 2025 bekanntgegeben.

Warum hat das Moloch geschlossen?

Das Moloch war als Zwischennutzung angelegt. Als die Wohnhäuser der HafenCity auf der anderen Seite des Bahndamms bezogen wurden, häuften sich Lärmbeschwerden. Im September 2019 endete der Betrieb nach fünf Jahren, nachdem sich Betreiber und Gängeviertel als Verwalter der Fläche nicht auf eine Fortsetzung einigen konnten. Das Nachfolgeprojekt Anderswelt war die letzte Nutzung, 2020 war endgültig Schluss.

Wie viele Leute passen ins glimmer?

Die Fläche ist für bis zu 600 Personen zugelassen. Insgesamt sind es 548 Quadratmeter, davon 296 Quadratmeter Veranstaltungsraum und 252 Quadratmeter Nebenfläche.


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