Adam Beyer remixt Faithless: „We Come 1“ auf Drumcode
Drumcode veröffentlicht „Faithless Reworks“: Adam Beyer remixt „We Come 1“, KASIA „Tarantula“. Was hinter dem Release steckt und warum es sofort chartet.

Anderthalb Jahre lang war es eine der meistgesuchten IDs der Technosaison: Adam Beyer spielte eine Technofassung von Faithless’ „We Come 1“, die es nirgends zu kaufen gab. Am 25. September 2026 hat Drumcode sie veröffentlicht. Die Platte heißt schlicht „Faithless Reworks“, trägt die Katalognummer DCX017 und enthält drei Stücke: Beyers Remix von „We Come 1“, eine zweite Fassung davon als „Alt Mix“ und einen Remix von „Tarantula“ durch die Produzentin KASIA. Anlass ist laut Label ein doppeltes Jubiläum: Drumcode, gegründet 1996, und Faithless feiern 2026 beide 30 Jahre, was bei der 1995 gegründeten Band aufgeht, wenn man ab dem Debütalbum 1996 rechnet.
Zwei Tage nach dem Erscheinen, am 27. September 2026, stand Beyers Remix auf Platz 6 der Beatport-Top-100 im Genre Techno (Peak Time / Driving), KASIAs „Tarantula“ auf Platz 14 und der Alt Mix auf Platz 43. Drei Einträge, eine Veröffentlichung — Beatport führt jede Fassung als eigenen Titel, weshalb dasselbe Release gleichzeitig an mehreren Stellen auftaucht. Der Alt Mix ist dabei nur mit dem kompletten Release erhältlich, seine Platzierung speist sich also aus Käufen des ganzen Pakets. Wie diese Beatport-Charts zustande kommen und was sie aussagen, ist eine eigene Frage. Hier sagen sie vor allem: Die Nachfrage war schon da, bevor es etwas zu kaufen gab.
Was ist auf „Faithless Reworks“ drauf?
Die drei Titel im Überblick, mit den Angaben der Beatport-Releaseseite:
- We Come 1 (Adam Beyer Remix) — 134 BPM, B-Dur
- Tarantula (KASIA Remix) — 136 BPM, Ges-Moll
- We Come 1 (Adam Beyer Alt Mix) — 133 BPM, F-Dur
Alle drei sind bei Beatport unter Techno (Peak Time / Driving) einsortiert. Beatport führt das Release derzeit als Exclusive; laut Ankündigung erscheint der Alt Mix ausschließlich dort. Wer harmonisch mixt, sollte die Tonartangaben wie immer mit dem eigenen Ohr gegenprüfen.
Woher kommt „We Come 1“?
Das Original erschien am 4. Juni 2001 als Single, zwei Wochen vor dem Album „Outrospective“ auf Cheeky Records, dem Label von Faithless-Mitgründer Rollo. Geschrieben haben den Titel Maxi Jazz, Sister Bliss und Rollo, produziert haben ihn Sister Bliss und Rollo. In Großbritannien erreichte er Platz 3 — so hoch wie zuvor nur die Neuauflage von „Insomnia“ 1996. „Tarantula“ stammt vom selben Album und kam in Großbritannien auf Platz 29.
Faithless wurde 1995 in London gegründet, das Debütalbum „Reverence“ erschien 1996. Maxi Jazz, die Stimme der Band, starb am 23. Dezember 2022. Sister Bliss und Rollo haben seither weitergemacht, zuletzt mit dem Album „Champion Sound“ im September 2025. Dass ein Techno-Label jetzt Klassiker dieser Band neu bearbeiten lässt, ist deshalb auch eine Form, den Katalog lebendig zu halten, nachdem die Stimme dahinter fehlt.
Neu ist der Ansatz für Faithless nicht. Schon 2015 erschien das Remixalbum „Faithless 2.0“, unter anderem mit Bearbeitungen von Avicii, Eric Prydz und Armin van Buuren, und stieg in Großbritannien auf Platz 1 ein. Der Unterschied: Damals ging es um die großen Bühnen des EDM und Trance. Diesmal ist es eindeutig Techno.
Warum spielen Techno-DJs gerade Vocal-Klassiker?
Der Faithless-Rework ist kein Einzelfall. Kurz vorher hatte Drumcode unter DCX016 bereits „Strings of Life / Un Amore Supremo (Bart Skils & Weska Remix)“ von Soul Central veröffentlicht — am 4. September 2026 zunächst bei Beatport, im übrigen Handel ab 18. September. Die Richtung ist deutlich: Der Sound, den Drumcode selbst mitgeprägt hat — großer tragender Bass, rollender Groove, lange Spannungsbögen —, bekommt einen Wiedererkennungsmoment obendrauf, den jeder im Raum kennt.
Für das Peak-Time-Set hat das einen praktischen Grund. Auf Festivalbühnen, auf denen Peak Time Techno läuft, steht ein Publikum, das zu einem großen Teil nicht aus dem Club kommt. Ein Hook, der seit 2001 im Gedächtnis sitzt, zündet dort auch bei Leuten, die keinen einzigen aktuellen Drumcode-Titel kennen. Für den DJ ist so ein Moment ein Werkzeug: ein Punkt im Set, an dem die ganze Fläche gleichzeitig reagiert.
Die Kehrseite liegt auf der Hand. Wenn zu viele Sets auf denselben Aha-Effekt setzen, nutzt er sich ab, und der Vorwurf, Peak Time Techno sei zu formelhaft geworden, bekommt neue Nahrung. Ein Remix, der nur Wiedererkennung verkauft, trägt nicht lange. Ob die Faithless-Fassungen mehr sind als ein Jubiläumsgeschenk, zeigt sich erst in einigen Monaten — dann, wenn sie nicht mehr neu sind.
Warum lag der Remix so lange als ID herum?
Bemerkenswert ist der Zeitraum. Mitschnitte von Beyers Fassung kursierten schon ab Februar 2025, etwa von A State of Trance in Rotterdam und von der Resistance-Bühne beim Ultra Music Festival in Miami. Im Sommer 2026 lief der Remix laut Label regelmäßig in Beyers Residency bei Resistance Ibiza im Amnesia. Veröffentlicht wurde er erst im Herbst 2026.
Dass zwischen erstem Einsatz und Release viele Monate liegen, ist bei Bearbeitungen fremder Titel üblich. Ein Remix eines bekannten Songs braucht die Freigabe der Rechteinhaber an Aufnahme und Komposition, und je bekannter das Original, desto mehr Beteiligte gibt es. Wie so ein Remix-Auftrag rechtlich und finanziell aufgebaut ist, erklärt, warum ein fertiger Track trotzdem lange liegen bleiben kann. Für einen DJ mit eigenem Label hat die Wartezeit zudem einen Nebeneffekt: Jeder Handymitschnitt aus dem Publikum ist Werbung für eine Platte, die es noch nicht gibt. Die Leute, die monatelang nach der ID aus dem Set gesucht haben, dürften am Veröffentlichungstag zu den ersten Käufern gehören — die Charts zwei Tage später passen dazu.
Wer ist KASIA?
KASIA, die zweite Remixerin neben Beyer, ist der weniger bekannte Name auf dieser Veröffentlichung. Drumcode stellt sie in der Ankündigung als aufstrebende Techno-Künstlerin vor, die hinter sich ihren bislang größten Sommer hat, mit Auftritten beim ARC Music Festival, bei Resistance Ibiza und bei Anyma presents ÆDEN im [UNVRS] auf Ibiza. Dass sie auf demselben Release steht wie der Labelchef und mit Platz 14 nur wenige Plätze hinter ihm in den Charts landet, ist das alte Drumcode-Prinzip in neuer Verpackung: ein großer Name zieht die Aufmerksamkeit, ein neuer Name bekommt sie ab.
Was bleibt
„Faithless Reworks“ ist in erster Linie ein Jubiläumsrelease, und als solches erfüllt es seinen Zweck. Interessanter ist, was es über den Zustand des Peak Time Techno erzählt: Das Genre ist so groß geworden, dass es sich bei der Popgeschichte der Nullerjahre bedient, um seine größten Momente zu bauen. Das ist legitim, solange es die Ausnahme bleibt. Für Faithless ist es nach „Faithless 2.0“ von 2015 wieder eine prominente Remixrunde, diesmal klar im Techno statt auf der EDM-Bühne.
Häufige Fragen
Wann ist der Adam-Beyer-Remix von „We Come 1“ erschienen?
Am 25. September 2026 auf Drumcode, als Teil der Veröffentlichung „Faithless Reworks“ mit der Katalognummer DCX017. Als unveröffentlichte ID spielte Beyer den Remix schon ab Februar 2025.
Welche Tracks sind auf „Faithless Reworks“?
Drei: „We Come 1“ im Adam Beyer Remix, „We Come 1“ im Adam Beyer Alt Mix und „Tarantula“ im Remix von KASIA. Laut Ankündigung gibt es den Alt Mix ausschließlich bei Beatport.
Von welchem Album stammt „We Come 1“?
Von „Outrospective“, dem Faithless-Album aus dem Jahr 2001 auf Cheeky Records. Die Single erschien am 4. Juni 2001 und erreichte Platz 3 der britischen Charts.
Gab es schon früher Remixe von Faithless-Klassikern?
Ja. 2015 erschien das Remixalbum „Faithless 2.0“ mit Bearbeitungen unter anderem von Avicii, Eric Prydz und Armin van Buuren. Es stieg in Großbritannien auf Platz 1 der Albumcharts ein.
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