Ultra Miami 2027: Brejcha, Klangkuenstler und Hard Techno
Ultra Miami 2027 nennt Phase 1: Calvin Harris, Garrix, Boris Brejcha b2b Cirez D, Klangkuenstler. Was das Line-up über Hard Techno und Labelbühnen sagt.

Miami hat sein Plakat für den kommenden März. Ultra Music Festival hat Mitte Oktober 2026 die erste Phase des Line-ups für seine 27. Ausgabe veröffentlicht, die ersten Berichte erschienen am 14. Oktober. Gefeiert wird vom 26. bis 28. März 2027 wieder im Bayfront Park in Downtown Miami. Oben auf dem Plakat stehen die erwartbaren Namen: Calvin Harris, Martin Garrix, Armin van Buuren, Dom Dolla, Steve Aoki und Afrojack. Interessanter ist, was darunter steht. Denn aus deutscher Sicht ist diese erste Phase bemerkenswert breit besetzt: Boris Brejcha, Klangkuenstler, Boys Noize und BUNT. stehen auf derselben Ankündigung, und sie stehen für vier ziemlich verschiedene Arten, wie elektronische Musik aus Deutschland heute in die Welt geht.
Wer bei Ultra Miami 2027 bisher bestätigt ist
Neben den Hauptbühnen-Namen nennt die Ankündigung unter anderem Marshmello, Subtronics, Eric Prydz unter seinem Techno-Alias Cirez D, Alison Wonderland, Tiffany Day, Sofi Tukker, Vini Vici, Liquid Stranger, it’s murph und Anderson .Paak, der als DJ Pee .Wee auflegt. Für RESISTANCE, Ultras Underground-Bereich für House und Techno, sind bislang Adam Beyer, Mau P, Michael Bibi, Sara Landry, Indira Paganotto, I Hate Models, Holy Priest, Miss Monique sowie Nico Moreno und NOVAH angekündigt. Der Veranstalter spricht von mehr als 25 Headlinern in dieser ersten Runde. Es ist ausdrücklich Phase eins: Weitere Namen folgen erfahrungsgemäß, und Spielzeiten gibt es noch keine.
Boris Brejcha b2b Cirez D: das auffälligste Paar
Ultra setzt in dieser Runde stark auf Back-to-back-Sets mit Premierencharakter. Marshmello und Subtronics treten laut Ankündigung erstmals überhaupt gemeinsam auf, Alison Wonderland und Tiffany Day zum ersten Mal auf einem Festival, Nico Moreno und NOVAH zum ersten Mal in den USA. Das für die deutschsprachige Szene spannendste Paar ist aber Boris Brejcha mit Eric Prydz als Cirez D, angekündigt als US-Debüt der Kombination.
Musikalisch ist das keine selbstverständliche Paarung. Brejcha, 1981 in Ludwigshafen am Rhein geboren, nennt seinen Stil „High-Tech Minimal“: verspielte, melodische Synthesizerlinien über einem eher trockenen Groove, live gespielt mit seiner markanten Maske. Prydz’ Cirez-D-Projekt ist dagegen die dunklere, technoidere Seite des Schweden, deutlich weniger auf große Melodiebögen angelegt als seine Releases unter eigenem Namen. Wo sich beide treffen, ist die Liebe zum langen Spannungsbogen. Ob daraus ein echtes Gespräch zwischen zwei Handschriften wird oder zwei Sets im Wechsel, zeigt sich erst im März. Woran solche Paarungen scheitern und warum Veranstalter sie trotzdem so gern buchen, steht in unserem Stück B2B-Set erklärt.
Für Brejcha ist Miami kein Neuland. Sein Ultra-Debüt gab er 2022, damals mit einer eigenen Bühne seines Labels Fckng Serious im RESISTANCE-Bereich, nach Angaben des Festivals die erste in Amerika. Dass er nun in einer Paarung auftaucht, die das Festival selbst als Ereignis vermarktet, zeigt, wie weit sein Name inzwischen trägt.
Vier deutsche Acts, vier verschiedene Wege
Wer die deutschen Namen auf dem Plakat nebeneinanderlegt, sieht kein einheitliches „Made in Germany“, sondern vier Laufbahnen, die wenig miteinander zu tun haben.
- Boris Brejcha steht für den melodischen, sehr bühnentauglichen Techno, der über Livestreams und große Festivalsets ein weltweites Publikum gefunden hat, und für ein eigenes Label als Basis.
- Klangkuenstler, geboren als Michael Korb im bayerischen Füssen und heute in Berlin zu Hause, kommt aus der harten Ecke. Mit seinem Label- und Eventkonzept Outworld gehört er zu den Gesichtern der Hard-Techno-Welle, die seit einigen Jahren auch in Nordamerika große Bühnen füllt.
- Boys Noize, also Alexander Ridha, ist seit Mitte der Nullerjahre zwischen Electro, Techno und Pop-Produktion unterwegs und damit einer der Dienstältesten in dieser Gruppe.
- BUNT. ist das Projekt des Stuttgarters Levi Wijk, ursprünglich ein Duo, inzwischen solo. Sein Sound verbindet Dance-Pop mit Folk-Instrumenten wie Banjo und Mundharmonika und liegt damit am weitesten vom Clubkeller entfernt.
Das Muster dahinter: Deutsche Acts kommen nicht mehr als Botschafter eines bestimmten „deutschen Sounds“ nach Miami, sondern über jeweils eigene Szenen, Labels und Fanbasen. Was sie verbindet, ist eher die Infrastruktur dahinter, eigene Labels und eigene Eventmarken, als ein gemeinsamer Klang.
Was der RESISTANCE-Bereich über den Trend verrät
Ein Blick auf die bisherigen RESISTANCE-Namen zeigt, wohin der Techno-Teil von Ultra sich verschoben hat. Sara Landry, Indira Paganotto, I Hate Models, Holy Priest und Nico Moreno stehen allesamt für schnellere, härtere Spielarten, im übrigen Line-up kommt Klangkuenstler dazu. Daneben laufen Tech House mit Michael Bibi und Mau P sowie der Drumcode-Kosmos um Adam Beyer. Vor wenigen Jahren hätte man bei einem amerikanischen Großfestival in diesem Bereich vor allem melodischen Techno erwartet. Die Hard-Techno-Welle, deren deutsche Wurzeln im Frankfurter Schranz wir in Hard Techno erklärt nachzeichnen, ist damit endgültig im Mainstream-Festivalbetrieb der USA angekommen.
Bühnen in Labelhand
Auffällig ist auch, wie viele Bereiche Ultra an Marken abgibt. Angekündigt sind Showcases bzw. Takeovers von Martin Garrix’ Label STMPD RCRDS, das sein zehnjähriges Bestehen feiert, von Armin van Buurens A State Of Trance, von Vini Vicis Alteza Records, Mau Ps Baddest Behaviour und Adam Beyers Drumcode. Sofi Tukker kuratieren mit Animal Talk erstmals die Live Stage, laut Festival die erste kuratierte Übernahme dieser Bühne in der Geschichte von Ultra Miami. Sara Landry bringt ihre audiovisuelle Show Divine Intervention erstmals in die USA, Miss Monique zeigt ihre Show BIORHYTHM zum ersten Mal auf einem US-Festival.
Für das Festival ist das ein bewährtes Modell: Die Marke über der Bühne bringt ihr eigenes Publikum mit, und das Festival teilt Programmarbeit und Risiko. Für Besucher heißt es, dass der Name über der Bühne oft mehr über den Sound verrät als das Plakat. Wie dieses Modell funktioniert und wer dann eigentlich bucht, erklären wir in Stage-Hosts auf Festivals.
Was die Ankündigung für Fans aus Deutschland bedeutet
Ultra Miami fällt auf das Wochenende der Miami Music Week und ist für viele Acts das wichtigste Schaufenster des Frühjahrs, auch weil zahlreiche Sets weltweit gestreamt und später geteilt werden. Wer aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz anreist, sollte die Altersgrenzen kennen: General Admission gilt laut Ticketseite ab 18, VIP sogar erst ab 21 Jahren. Tickets sind bereits im Verkauf.
Wer nicht über den Atlantik will: Ultra betreibt mit ULTRA Europe im kroatischen Split auch einen europäischen Ableger, 2027 vom 9. bis 11. Juli. Ob die deutschen Namen aus Miami dort ebenfalls auftauchen, ist noch nicht bekannt.
Fest steht: Die erste Phase von Ultra 2027 ist weniger eine Liste großer Namen als eine Momentaufnahme. Hard Techno sitzt in Miami fest im Programm, Labels bekommen ganze Bühnen, und die deutschen Acts kommen aus vier Richtungen gleichzeitig. Die nächste Phase wird zeigen, ob sich das Bild verdichtet.
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