MAXIM SCHUNK
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Equipment8. November 20266 Min. Lesezeit

Schallplatten digitalisieren: Vinyl für DJ-Software rippen

Schallplatten digitalisieren für DJs: USB-Plattenspieler oder Phono-Vorverstärker, richtiger Pegel, WAV oder AIFF, Knackser entfernen und passende Geräte.

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In fast jeder Plattensammlung stecken Tracks, die es nie digital gab: Promo-Pressungen, White Labels, längst vergriffene Maxis von Labels, die seit zwanzig Jahren nicht mehr existieren. Wer sie im Club vom USB-Stick spielen will, muss sie selbst digitalisieren. Das klingt nach Kabel einstecken und Aufnahme drücken. In der Praxis entscheiden aber ein paar unscheinbare Details darüber, ob der Rip im Club druckvoll klingt oder dünn, verrauscht und voller Knackser ist. Hier liest du, welche Gerätewege es gibt, worauf es bei Pegel und Dateiformat ankommt und welche Geräte für welchen Zweck taugen.

Was brauche ich, um Schallplatten zu digitalisieren?

Die Kette ist immer dieselbe: Plattenspieler, Phono-Vorverstärker, Analog-Digital-Wandler, Rechner mit Aufnahmesoftware. Unterschiedlich ist nur, wo die einzelnen Glieder sitzen. Der Vorverstärker ist dabei der Teil, den viele übersehen. Ein Magnettonabnehmer liefert nur wenige Millivolt, und die Platte ist mit abgesenkten Bässen und angehobenen Höhen geschnitten. Erst die sogenannte RIAA-Entzerrung im Phono-Vorverstärker macht daraus wieder ein normales Line-Signal mit vollem Frequenzgang.

Daraus ergibt sich der häufigste Fehler: Plattenspieler ohne Vorverstärker direkt an den Line-Eingang eines Audio-Interfaces. Das Ergebnis ist viel zu leise, klingt blechern und hat kaum Bass. Nachträgliches Anheben in der Software rettet das nicht, weil die Entzerrung fehlt und das Rauschen mit hochgezogen wird.

USB-Plattenspieler oder Phono-Vorverstärker mit USB?

Es gibt drei sinnvolle Wege:

  • USB-Plattenspieler: Vorverstärker und Wandler sind eingebaut, ein USB-Kabel zum Rechner genügt. Das ist der einfachste Weg, wenn du ohnehin einen neuen Spieler kaufst. Wie gut das Ergebnis wird, hängt dann aber auch am eingebauten Wandler, den du nicht austauschen kannst.
  • Phono-Vorverstärker mit USB-Ausgang: Die kleine Box sitzt zwischen deinem vorhandenen Plattenspieler und dem Rechner. Das ist der Weg für alle, die schon gute Technics oder einen anderen Direktantrieb im Regal haben.
  • Vorhandenes Audio-Interface: Du nimmst ein Line-Signal auf, also entweder aus einem separaten Phono-Vorverstärker oder aus dem Phono-Kanal deines DJ-Mixers. Viele DJ-Mixer mit eingebauter USB-Soundkarte schicken das Kanalsignal ohnehin an den Rechner. Vorteil: Ein gutes Interface nimmt in 24 Bit auf.

Der letzte Punkt ist kein Detail. Die gängigen USB-Plattenspieler und USB-Phono-Boxen wandeln mit 16 Bit bei 44,1 oder 48 kHz. Für eine Platte reicht das, denn ihr Dynamikumfang liegt unter dem, was 16 Bit abbilden. Es verzeiht aber weniger Fehler beim Pegel. Mit 24 Bit kannst du großzügig Reserve lassen, ohne Auflösung zu verschenken.

Welcher Aufnahmepegel ist beim Digitalisieren richtig?

Digitale Übersteuerung ist das eine Problem, das sich nicht reparieren lässt. Steuere deshalb mit der lautesten Stelle der Platte aus, nicht mit dem Intro. Bei 16 Bit sollten die Spitzen etwa bei −6 bis −3 dBFS landen, bei 24 Bit darfst du auch um −10 dBFS bleiben. Geräte ohne Gain-Regler geben dir diese Wahl nicht: Kommt das Signal zu heiß, hilft nur ein Vorverstärker mit Regler oder der Line-Ausgang des Plattenspielers in einen regelbaren Eingang.

Brummt es, fehlt meist das Erdungskabel. Der dünne Draht vom Plattenspieler gehört an die Masseschraube des Vorverstärkers oder Mixers. Bei Plattenspielern mit eingebautem Vorverstärker, die über USB laufen, entfällt das.

Normalisiere die fertige Datei höchstens auf einen Spitzenwert knapp unter 0 dBFS und lass Limiter weg. Die Lautheit gleicht im Club ohnehin die Auto-Gain-Funktion deiner DJ-Software an, und ein plattgedrückter Rip verliert genau den Punch, für den du die Platte überhaupt spielen willst.

Wie bekomme ich Knackser und Rauschen aus dem Rip?

Die beste Klickentfernung passiert vor der Aufnahme. Staub im Rillengrund ist hörbar, und eine nass gereinigte, vollständig getrocknete Platte liefert hörbar sauberere Rips. Welche Reinigungsmethode zu welchem Bestand passt, steht im Artikel Schallplatten reinigen: Bürste, Waschgerät oder Ultraschall. Genauso wichtig ist die Nadel: Eine abgenutzte Nadel verzerrt vor allem in den inneren Rillen, wo die Bahngeschwindigkeit sinkt. Deshalb klingen 12-Inch-Maxis mit 45 Umdrehungen und wenig Spielzeit pro Seite meist besser als dicht geschnittene Alben.

Was danach bleibt, behandelst du in der Software. Das kostenlose Audacity bringt eine Klickentfernung und eine Rauschminderung mit, kostenpflichtige Spezialprogramme wie VinylStudio sind auf genau diesen Arbeitsablauf zugeschnitten. Die Faustregel: lieber einzelne laute Knackser gezielt entfernen, als die ganze Datei mit aggressiven Filtern zu bearbeiten. Zu starke Entknackser fressen Transienten, und dann klingen Hi-Hats und Snares stumpf.

WAV oder AIFF: Welches Format für rekordbox und CDJ?

Für DJ-Zwecke kommt nur verlustfrei infrage. WAV und AIFF klingen identisch, unterscheiden sich aber bei den Metadaten: AIFF speichert Künstler, Titel und Cover zuverlässig, während viele Programme WAV-Dateien nur eingeschränkt beschriften. Wer seine Rips später sortieren, durchsuchen und auf Sticks exportieren will, fährt mit AIFF in der Regel bequemer. Wie der Export auf den Stick dann sauber klappt, steht in der Anleitung USB-Stick für CDJs vorbereiten.

Zwei Dinge betreffen speziell DJs. Erstens den Pitch: Steht der Regler beim Aufnehmen nicht exakt auf null, läuft der Track später mit falschem Tempo und falscher Tonart. Schalte die Quarzsperre ein, sofern dein Spieler eine hat. Zweitens das Beatgrid: Auch ein guter Direktantrieb läuft nicht perfekt gleichmäßig, und ältere Tracks mit eingespielten Drums haben kein starres Tempo. Prüfe deshalb das Raster nach der Analyse, bevor der Track zum ersten Mal im Club läuft. Wer das Beatmatching mit den frischen Rips üben will: Lektion 1 im kostenlosen DJ-NOTES-Kurs fängt genau dort an.

Teile die Plattenseite in einzelne Tracks, bevor du analysierst. Lass jeweils eine Sekunde Stille vor dem ersten Schlag stehen, damit der Cue-Punkt nicht abgeschnitten wird. In Audacity geht das mit Textmarken und dem Export mehrerer Dateien in einem Rutsch.

Darf ich digitalisierte Platten im Club auflegen?

Für dich privat ist die Kopie deiner eigenen Platte durch die Privatkopie-Regel in § 53 UrhG gedeckt. Sobald du die Datei für Auftritte nutzt, wird es eine Kopie zur öffentlichen Wiedergabe. Dafür hat die GEMA den Tarif VR-Ö, und lizenzpflichtig ist dabei der DJ, der die Kopie anfertigt, nicht der Club. Was der Tarif abdeckt und für wen er nicht gilt, erklärt GEMA für DJs: Welche Lizenz du wirklich brauchst.

Welche Geräte eignen sich zum Digitalisieren?

Die folgenden Geräte decken die drei Wege ab. Keines wandelt in 24 Bit, alle vier arbeiten mit 16 Bit bei 44,1 oder 48 kHz. Für bessere Wandlung führt der Weg über ein vorhandenes Audio-Interface. Wer noch gar keinen Plattenspieler hat, findet in der Kaufberatung für DJ-Plattenspieler die Kriterien jenseits des USB-Ausgangs.

  • Audio-Technica AT-LP120XUSB: Direktantrieb mit umschaltbarem Vorverstärker, USB-Ausgang und vormontiertem Tonabnehmer. Er digitalisiert und lässt sich auch an einen Mixer anschließen. Für die Kanzel ist er aber weniger robust als ein klassischer Clubspieler.
  • Behringer U-Phono UFO202: Die einfachste Lösung für einen vorhandenen Spieler. Ein Gain-Regler fehlt, und die Wandler sind auf Einsteigerniveau.
  • ART USB Phono Plus PS: Gain-Regler mit Clip-Anzeige, Masseklemme, Trittschallfilter und Line-Ausgang. Damit ist er das Werkzeug für alle, die viele Platten sauber auspegeln wollen.
  • Rega Fono Mini A2D MK2: Ein Hi-Fi-Phono-Vorverstärker mit zusätzlichem USB-Ausgang, gedacht für Wohnzimmer und Archiv. Er funktioniert nur mit MM-Tonabnehmern und hat keinen Pegelregler.

Am Ende ist Digitalisieren Handarbeit: Platte reinigen, Pegel setzen, eine Seite in Echtzeit durchlaufen lassen, schneiden, beschriften. Pro Maxi kommt so schnell eine halbe Stunde oder mehr zusammen. Dafür bekommst du Tracks auf den Stick, die sonst niemand im Club spielt, und genau das ist der Grund, warum sich der Aufwand lohnt.

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Häufige Fragen

Kann ich einen Plattenspieler direkt an ein Audio-Interface anschließen?

Nur wenn er einen eingebauten Vorverstärker hat, der auf Line steht, oder ein separater Phono-Vorverstärker dazwischen sitzt. Ohne RIAA-Entzerrung ist das Signal viel zu leise und klingt dünn und bassarm.

Reichen 16 Bit zum Digitalisieren von Schallplatten?

Ja, der Dynamikumfang einer Platte liegt unter dem, was 16 Bit abbilden. Du musst den Pegel aber sorgfältiger setzen. Mit einem 24-Bit-Interface kannst du mehr Reserve lassen.

Mit welcher Software kann ich Vinyl kostenlos digitalisieren?

Audacity ist kostenlos und kann aufnehmen, Klicks und Rauschen mindern und eine Plattenseite über Textmarken in einzelne Tracks aufteilen. Kostenpflichtige Programme wie VinylStudio sind speziell auf das Digitalisieren von Platten ausgelegt.

Warum brummt meine Aufnahme vom Plattenspieler?

Meist fehlt die Erdung. Das separate Massekabel des Plattenspielers gehört an die Masseklemme des Phono-Vorverstärkers oder Mixers. Bei USB-Plattenspielern mit eingebautem Vorverstärker ist das in der Regel nicht nötig.

Wie lange dauert es, eine Schallplatte zu digitalisieren?

Die Aufnahme läuft in Echtzeit, eine Seite dauert also so lange wie ihre Spielzeit. Mit Reinigen, Auspegeln, Schneiden und Beschriften kommt pro Maxi schnell eine halbe Stunde oder mehr zusammen.


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