MAXIM SCHUNK
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Equipment31. Oktober 20266 Min. Lesezeit

MIDI-Interface und USB-Host kaufen: Hardware verbinden

MIDI-Interface oder USB-MIDI-Host? Wie du Synths, Keyboard und Groovebox mit und ohne Rechner verbindest, was class compliant heißt und welche Geräte passen.

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Symbolbild, KI-generiert
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Der neue Synthesizer steht auf dem Tisch, das Keyboard daneben, und beide haben einen USB-Anschluss. Also Kabel rein, fertig? Genau hier scheitern die meisten Hardware-Setups. Zwei USB-Geräte reden nicht miteinander, solange keiner von beiden den Ton angibt. Dafür gibt es MIDI-Interfaces und USB-MIDI-Hosts. Diese Kaufberatung erklärt, worin sich die beiden unterscheiden, wann ein simples Kabel reicht und wann du eine Routing-Zentrale brauchst. Und sie zeigt, warum ein billiges USB-MIDI-Kabel manchmal mehr Ärger macht, als es spart.

Warum kann ich zwei MIDI-Geräte nicht einfach per USB verbinden?

USB kennt zwei Rollen: Host und Device. Der Host erkennt angeschlossene Geräte, vergibt Adressen und steuert die Kommunikation. Dein Rechner ist ein Host. Keyboards, Synthesizer, Drumcomputer und Controller sind fast immer Devices. Sie warten darauf, dass ein Host sie anspricht. Steckst du zwei Devices zusammen, passiert nichts. Kein Kabel und kein Adapter ändert daran etwas.

Die Buchse verrät die Rolle übrigens nicht. Ein USB-C-Port kann beides sein. Manche Hersteller beschriften ihre Ports deshalb mit „To Host“ (das Gerät ist Device) oder „To Device“ (das Gerät ist Host). Einige Grooveboxen und Sequenzer bringen tatsächlich einen eingebauten Host-Port mit. Ob dein Gerät dazugehört, steht in der Bedienungsanleitung unter den Anschlüssen.

MIDI-Interface oder USB-MIDI-Host: Was ist der Unterschied?

Die Begriffe werden ständig vermischt, beschreiben aber zwei verschiedene Geräte:

  • Ein klassisches USB-MIDI-Interface hängt am Rechner. Es übersetzt zwischen USB und den runden fünfpoligen DIN-Buchsen. Damit steuerst du einen älteren Synthesizer ohne USB aus der DAW heraus oder nimmst ein Keyboard mit DIN-Ausgang auf. Ohne Rechner tut es nichts.
  • Ein USB-MIDI-Host übernimmt die Rolle des Rechners. Er versorgt ein USB-Gerät mit Strom und gibt dessen MIDI-Daten an DIN-Buchsen weiter, oder umgekehrt. Damit spielst du mit einem USB-Keyboard einen Synthesizer, ohne dass ein Laptop läuft.
  • Kombigeräte können beides: Sie haben einen Host-Port für USB-Geräte, DIN-Buchsen für alte Hardware und zusätzlich einen USB-Port zum Rechner. Das ist die flexibelste, aber auch größte Lösung.

Die Kaufentscheidung beginnt also mit einer Frage: Läuft dein Setup mit oder ohne Rechner? Wer immer aus der DAW arbeitet, braucht nur ein Interface. Wer „DAWless“ spielen, also nur mit Hardware arbeiten und dabei ein USB-Gerät wie ein USB-Keyboard einbinden will, braucht einen Host. Geräte mit DIN-Buchsen verbindest du auch ohne Rechner direkt per MIDI-Kabel.

Was bedeutet „class compliant“ und warum ist das so wichtig?

Ein Rechner kann für fast jedes Gerät einen Treiber nachladen. Ein kleiner USB-MIDI-Host kann das nicht. Er funktioniert nur mit Geräten, die class compliant sind, also dem allgemeinen USB-MIDI-Standard folgen und ohne eigenen Treiber auskommen. Die meisten aktuellen Controller und Synthesizer erfüllen das. Ausnahmen gibt es aber.

Kenton führt für seinen MIDI USB Host eine öffentliche Liste: Die Roland-Boutique-Reihe ist laut Kenton nicht class compliant und läuft deshalb nicht. Das Korg SQ-1 ist inkompatibel. Launchpad Mini mk3 und Launchkey Mini mk3 von Novation senden MIDI, empfangen aber nichts. Bei vielen BOSS-Geräten rät Kenton, vorher nachzufragen. Solche Listen gibt es auch bei anderen Herstellern. Lies sie, bevor du kaufst. Sie sparen dir eine Rücksendung.

Der zweite Punkt ist Strom. Ein USB-Keyboard bezieht seinen Strom vom Host. Ein Host mit Netzteil liefert genug für einen Controller. Hängen mehrere Geräte an einem Hub, empfehlen die Hersteller einen Hub mit eigenem Netzteil.

DIN, Miniklinke, USB: Welche MIDI-Anschlüsse brauche ich?

Zähl vor dem Kauf deine Geräte und ihre Buchsen. Drei Varianten sind verbreitet:

  • Fünfpolige DIN-Buchsen sind der Klassiker seit den Achtzigern. Fast jeder Synthesizer, jede Drummachine und jeder ältere Sampler hat sie. Ein Ausgang kann über die Thru-Buchse mehrere Geräte in Reihe versorgen, die Kette sollte aber kurz bleiben.
  • 3,5-mm-Miniklinke (TRS-MIDI) spart Platz und steckt in vielen kompakten Geräten und Eurorack-Modulen. Die MIDI Manufacturers Association hat dafür 2018 eine Belegung als Standard festgelegt, den sogenannten Typ A. Daneben existiert eine abweichende Belegung, oft Typ B genannt. Welcher Typ verbaut ist, steht im Handbuch. Der passende Adapter auf DIN liegt nicht immer bei.
  • USB überträgt MIDI und oft Strom über ein Kabel, setzt aber eben einen Host voraus.

Wer einen Sequenzer, eine Groovebox und zwei Synthesizer verbinden will, kommt mit einem Ein-Port-Kabel nicht weit. Rechne mit einem Ausgang pro Gerät, das Noten empfangen soll, plus einem Eingang pro Gerät, das Noten oder Clock sendet.

Reicht ein billiges USB-MIDI-Kabel?

Für ein einzelnes Keyboard am Rechner oft ja. Das ist der einfachste Fall: ein Kabel mit USB-Stecker an einem Ende und zwei DIN-Steckern am anderen. Die Markenmodelle arbeiten zuverlässig. Bei No-Name-Kabeln ohne Herstellerangaben berichten Nutzer in Foren immer wieder von Problemen, vor allem bei größeren Datenmengen wie SysEx-Dumps für Firmware-Updates oder Soundbänke, und von hängenden Noten. Wer nur Noten von einem Keyboard schickt, merkt davon oft nichts. Wer Patches sichern oder ein Firmware-Update per MIDI einspielen will, sollte zum Markengerät greifen.

Und noch ein Missverständnis: Ein solches Kabel ist ein Interface, kein Host. Am Rechner funktioniert es, zwischen zwei Hardware-Geräten nicht.

Wie wichtig ist das Timing bei MIDI-Clock?

DIN-MIDI überträgt mit 31,25 Kilobit pro Sekunde. Eine einzelne Note-Nachricht aus drei Bytes braucht damit knapp eine Millisekunde. Das klingt nach wenig, summiert sich aber: Ein Akkord mit sechs Tönen auf einem Kanal ist bereits einige Millisekunden unterwegs, bevor der letzte Ton ankommt. Wer viele Geräte über eine einzige Leitung versorgt, verteilt besser auf mehrere Ausgänge.

Bei der Synchronisation zählt vor allem, wer die Clock vorgibt. Kommt sie aus dem Rechner, hängt die Stabilität auch von der DAW und vom Treiber ab. In vielen Hardware-Setups übernimmt deshalb eine Groovebox oder ein Sequenzer die Clock, und das Interface verteilt sie nur. Wenn dein Setup driftet, prüfe zuerst, ob zwei Geräte gleichzeitig Clock senden. Das ist der häufigste Grund für Tempo-Chaos und kein Fehler des Interfaces.

Welches MIDI-Interface für welches Setup?

Die Modelle unten decken vier typische Fälle ab, vom Einzelkabel bis zur Routing-Zentrale für ein ganzes Studio. Getestet haben wir keines davon. Die Einordnung folgt den Herstellerangaben und dem Stand der Fachdiskussion.

  • Ein Keyboard oder Synthesizer am Rechner: Ein Kabelinterface mit einem Ein- und einem Ausgang reicht. Mehr brauchst du nur, wenn mehrere DIN-Geräte gleichzeitig laufen.
  • USB-Controller an einem Synthesizer ohne Rechner: Ein kleiner USB-MIDI-Host mit Netzteil löst genau dieses Problem.
  • Kleines Hardware-Setup mit und ohne Rechner: Ein Kombigerät mit Host-Port, mehreren DIN-Buchsen und USB zum Computer.
  • Großes Studio mit vielen Geräten: Ein Routing-Interface mit mehreren DIN-Ports, Host-Ports und Netzwerk-MIDI. Für zwei Geräte ist das überdimensioniert.

Was du ansteuerst, entscheidet mit: Wer gerade die erste Kiste sucht, findet in unseren Kaufberatungen zu Hardware-Synthesizern für Einsteiger und zur Groovebox für Techno und House passende Geräte samt Hinweisen zu MIDI und Clock-Sync. Für die Tastatur selbst hilft die Übersicht zum MIDI-Keyboard mit 25, 49 oder 61 Tasten, und wer ins Modularsystem einsteigt, braucht für MIDI ein MIDI-zu-CV-Modul oder ein semimodulares Gerät mit MIDI-Eingang; dazu mehr im Eurorack-Einstieg.

Fazit

Die erste Frage ist nicht „welches Interface“, sondern „mit oder ohne Rechner“. Am Computer genügt für ein einzelnes Gerät ein Markenkabel. Ohne Computer brauchst du für USB-Geräte einen Host, und dann zählt vor allem, ob deine Geräte class compliant sind. Sobald mehrere Geräte mit und ohne Rechner laufen sollen, lohnt sich ein Kombigerät, eine Routing-Zentrale erst bei einem größeren Gerätepark. Zähl vorher deine Buchsen, prüf die Kompatibilitätslisten und leg fest, welches Gerät die Clock vorgibt.

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Häufige Fragen

Kann ich ein USB-Keyboard direkt an einen Synthesizer anschließen?

Nur wenn der Synthesizer einen eingebauten USB-Host-Port hat. Die meisten Synthesizer sind selbst USB-Devices und brauchen einen Host. Dafür gibt es eigenständige USB-MIDI-Hosts mit Netzteil, die das Keyboard versorgen und seine Daten an die DIN-Buchse des Synthesizers weitergeben.

Was ist der Unterschied zwischen MIDI Thru und MIDI Out?

MIDI Out sendet, was das Gerät selbst erzeugt, etwa die gespielten Tasten oder die Clock. MIDI Thru gibt unverändert weiter, was am MIDI In ankommt. Damit lassen sich mehrere Geräte in Reihe an einen Ausgang hängen.

Brauche ich ein MIDI-Interface, wenn mein Audio-Interface MIDI-Buchsen hat?

Für ein oder zwei DIN-Geräte am Rechner meist nicht. Viele Audio-Interfaces haben je einen MIDI-Ein- und -Ausgang. Ein separates MIDI-Interface lohnt sich erst, wenn mehr Geräte gleichzeitig angeschlossen werden oder das Setup auch ohne Rechner laufen soll.

Was heißt TRS-MIDI Typ A und Typ B?

Beides sind Belegungen für MIDI über 3,5-mm-Miniklinke. Typ A ist der 2018 von der MIDI Manufacturers Association festgelegte Standard, Typ B eine abweichende Belegung. Passt der Typ nicht zum Adapter, kommen keine Daten an. Welcher Typ verbaut ist, steht im Handbuch.

Funktioniert ein USB-Hub an einem MIDI-Host?

Bei vielen Modellen ja. Kenton nennt für seinen MIDI USB Host mk3 bis zu vier Geräte über einen Hub, CME für das H4MIDI WC bis zu acht USB-Ports. Die Hersteller empfehlen dafür einen Hub mit eigenem Netzteil, damit der Strom für alle Geräte reicht.


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