MAXIM SCHUNK
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Ratgeber29. Oktober 20267 Min. Lesezeit

Hitze auf dem Festival: trinken, kühlen, Hitzschlag erkennen

Wie viel du auf dem Festival bei Hitze trinken solltest, wie du Sonnenstich und Hitzschlag unterscheidest und was im Zelt und vor der Bühne hilft.

#Festival#Hitze#Gesundheit#Festival-Camping#Erste Hilfe#Sommer

Symbolbild, KI-generiert
Symbolbild, KI-generiert

Am Freitag um halb vier ist der Platz vor der Hauptbühne halb leer. Wer da ist, steht im schmalen Schatten des FOH-Turms oder unter einer Fahne, und hinten am Getränkestand ist die Schlange länger als vor dem DJ. Hitze ist auf Sommerfestivals kein Randthema. Das Tückische daran: Fast alles, was einen Festivaltag ausmacht, verschärft das Problem. Du stehst stundenlang in der Sonne, tanzt, schläfst wenig, isst unregelmäßig, trinkst Alkohol statt Wasser und merkst Warnsignale zu spät, weil die Musik laut ist und alle um dich herum gut drauf sind. Dieser Text erklärt, was im Körper passiert, wie du Sonnenstich, Hitzeerschöpfung und Hitzschlag auseinanderhältst und was auf einem Gelände ohne Klimaanlage wirklich hilft.

Wie viel sollte man auf einem Festival bei Hitze trinken?

Das Bundesgesundheitsministerium nennt für heiße Tage zwei bis drei Liter pro Tag, am besten Wasser oder ungesüßten Tee, und zwar regelmäßig, auch ohne Durst. Das ist ein Richtwert für Menschen im Alltag, nicht für jemanden, der sechs Stunden in praller Sonne tanzt. Wer stark schwitzt, verliert mehr — und zwar nicht nur Wasser, sondern auch Salz. Eine feste Literzahl für den Festivaltag gibt es deshalb nicht. Brauchbarer ist die Faustregel, regelmäßig zu trinken, bevor der Durst kommt: ein paar Schlucke bei jedem Bühnenwechsel statt eines halben Liters auf einmal, wenn der Kopf schon dröhnt.

Ein guter Hinweis ist der Gang zur Toilette. Wenn du über Stunden kaum musst oder der Urin dunkel ist, hinkt die Flüssigkeitszufuhr hinterher. Und weil mit dem Schweiß auch Salz verloren geht, hilft zwischendurch etwas Salziges — eine Brezel, Pommes, eine Brühe am Foodtruck. Reines Wasser in großen Mengen ohne jedes Salz ist auf Dauer nicht die Lösung, dazu weiter unten mehr.

Wo bekommt man auf dem Festival Wasser?

Das hängt vollständig vom Veranstalter ab. Eine allgemeine Pflicht, kostenloses Trinkwasser auszugeben, gibt es in Deutschland nicht. Manche Festivals machen es trotzdem vorbildlich: Die Fusion etwa schreibt in ihren FAQ, dass an den großen Dancefloors Wasserbars kostenlos Trinkwasser ausschenken und dass man Flaschen und Kanister an Wasserhähnen auf dem Gelände gratis mit Leitungswasser füllen kann. Anderswo gibt es nur Zapfstellen auf dem Campingplatz und auf dem Infield ausschließlich verkaufte Getränke.

Ob du eine eigene Flasche mit aufs Infield nehmen darfst, regelt die Hausordnung, und die unterscheidet sich stark: mal sind leere Kunststoffflaschen erlaubt, mal nur faltbare, mal gar keine. Lies sie vor der Anreise, nicht in der Einlassschlange. Was dort typischerweise erlaubt ist und wo die Unterschiede liegen, haben wir in unserem Text zum Festival-Einlass und den verbotenen Gegenständen zusammengetragen. Wichtig ist nur: Wenn es Wasserstellen gibt, merk dir beim ersten Rundgang, wo sie stehen. In der Mittagshitze willst du nicht suchen.

Sonnenstich, Hitzeerschöpfung, Hitzschlag: Was ist der Unterschied?

Die drei Begriffe werden oft durcheinandergeworfen, beschreiben aber verschiedene Dinge mit sehr unterschiedlichem Ernst.

Sonnenstich

Ein Sonnenstich ist ein Problem des Kopfes. Direkte Sonne auf ungeschütztem Kopf und Nacken reizt die Hirnhäute. Typisch sind ein heißer, roter Kopf, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und ein schmerzender oder steifer Nacken. Die Körpertemperatur bleibt dabei meist normal. Oft zeigen sich die Beschwerden erst Stunden später, also gerne abends im Zelt. Was hilft: raus aus der Sonne, Kopf und Nacken mit feuchten Tüchern kühlen, Oberkörper leicht erhöht lagern, in Ruhe trinken.

Hitzeerschöpfung

Hier hat der ganze Körper zu viel Flüssigkeit und Salz verloren. Die Zeichen: starkes Schwitzen, Schwäche, Schwindel, Übelkeit, manchmal Erbrechen, ein flauer Kreislauf bis zum Umkippen. Die betroffene Person gehört in den Schatten, hingelegt mit hochgelagerten Beinen, und sollte trinken, solange sie bei klarem Bewusstsein ist. Bessert sich der Zustand nicht schnell, ist das ein Fall für den Sanitätsdienst. Unbehandelt kann eine Hitzeerschöpfung in einen Hitzschlag übergehen.

Hitzschlag

Der Hitzschlag ist ein Notfall. Die Temperaturregulation des Körpers versagt, die Kerntemperatur steigt auf über 40 Grad. Die Haut ist heiß und gerötet, häufig trocken — wer sich vorher stark angestrengt hat, kann aber auch noch schwitzen, darauf ist also kein Verlass. Entscheidend sind Verwirrtheit, Benommenheit, wirres Reden, Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit. Dann sofort Sanitäter holen oder 112 wählen, die Person in den Schatten bringen, enge Kleidung öffnen und mit feuchten Tüchern kühlen. Ist sie bewusstlos und atmet, gehört sie in die stabile Seitenlage. Zu trinken gibt man nur jemandem, der wach und klar ist.

Wo sind die Sanitäter auf dem Festival?

Größere Festivals haben Sanitätsstationen auf dem Infield und auf dem Campinggelände, oft dazu mobile Teams. Vor großen Bühnen stehen Sanitäter meist im Graben direkt hinter dem ersten Gitter — dort, wo auch Menschen aus der Menge gezogen werden, wie wir es im Text zum Gedränge vor der Bühne beschreiben. Wenn du nicht weißt, wo die nächste Station ist, sprich Security, Bar- oder Awareness-Personal an. Die kennen den Weg und können per Funk Hilfe rufen. Was Awareness-Teams sonst machen, ist ein eigenes Thema, aber für einen Notfall sind sie eine sichere Anlaufstelle.

Viele zögern, weil sie niemandem den Tag verderben wollen oder Ärger fürchten. Das ist der falsche Reflex. Kreislaufprobleme bei Hitze sind für Festivalsanitäter Alltag, und je früher jemand kommt, desto einfacher ist die Behandlung.

Alkohol und Drogen bei Hitze: Was passiert im Körper?

Alkohol ist bei Hitze doppelt ungünstig. Er löscht keinen Durst, sondern lässt dich zusätzlich Wasser verlieren, weil er die Harnausscheidung anregt. Gleichzeitig dämpft er das Gespür dafür, wie es dir gerade geht. Das Bier in der Nachmittagssonne zählt also nicht zur Trinkmenge, sondern läuft gegen sie. Wer trinkt, fährt besser mit einem Glas Wasser zu jedem Getränk. Und wer an heißen Tagen ganz verzichtet, wie es in der Sober-Rave-Bewegung ohnehin üblich ist, hat es spürbar leichter.

Bei MDMA ist es komplizierter, und genau hier halten sich alte Ratschläge hartnäckig. Die Substanz treibt die Körpertemperatur nach oben, und in Kombination mit Hitze und stundenlangem Tanzen ist Überhitzung ein ernstes Risiko. Früher hieß die Antwort darauf: viel Wasser trinken. Die Medizin sieht das inzwischen differenzierter. MDMA bremst die Ausscheidung von Wasser über die Niere. Wer dann sehr große Mengen trinkt, kann den Salzgehalt im Blut gefährlich verdünnen — eine sogenannte Hyponatriämie, die zu Übelkeit, Kopfschmerz, Verwirrtheit und im schlimmsten Fall zu Krampfanfällen führt. Fachliteratur rät deshalb zu mäßigen Mengen und vor allem zu Pausen und Abkühlung statt literweise Wasser. Die Warnzeichen ähneln denen eines Hitzschlags, und in beiden Fällen gilt dasselbe: Sanitäter holen und offen sagen, was genommen wurde. Die Sanitäter brauchen das für die Behandlung.

Auch manche Medikamente machen hitzeempfindlicher, etwa entwässernde Mittel oder bestimmte Antidepressiva. Wer regelmäßig etwas einnimmt, fragt vor einem heißen Festivalwochenende am besten in der Apotheke nach.

Was hilft gegen Hitze auf dem Campingplatz und im Zelt?

Das Zelt ist bei Sonne eine Wärmefalle. Schon am frühen Morgen heizt es sich so auf, dass niemand mehr schlafen kann — und wer nach einer langen Nacht nur drei Stunden Schlaf bekommt, startet geschwächt in den nächsten heißen Tag. Ein paar Dinge helfen:

  • Stellplatz mit Schatten am Morgen. Wenn du die Wahl hast, ist ein Platz, auf den die Morgensonne nicht sofort fällt, mehr wert als die Nähe zum Eingang. Ein Pavillon oder eine Plane über dem Zelt schafft zusätzlichen Schatten.
  • Lüften. Beide Eingänge und alle Belüftungsöffnungen auf, sobald es warm wird. Zelte mit verdunkeltem Innenzelt werben damit, kühler und dunkler zu bleiben; Wunder wirken aber auch sie nicht.
  • Getränke kühl lagern. Wasser im Kofferraum oder in der Sonne wird schnell warm und dann ungern getrunken. Eine Kühlbox im Schatten oder ein nasses Tuch um die Flasche hilft.
  • Mittagsschlaf statt Mittagssonne. Die UV-Belastung ist um die Mittagszeit am stärksten. Wenn das Programm, das dich interessiert, ohnehin erst abends beginnt, lohnt sich die Pause im Schatten mehr als der dritte Nachmittags-Act.

Was gehört bei Hitze an den Körper?

Eine Kopfbedeckung ist die einfachste Vorbeugung gegen einen Sonnenstich, gerade wenn du stundenlang vor einer Bühne stehst. Dazu helle, luftige Kleidung, Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor, die du nach dem Schwitzen erneut aufträgst, und eine Sonnenbrille. Ein Halstuch, das du am Wasserhahn nass machst, kühlt Nacken und Kopf eine ganze Weile. Plane außerdem den Weg zwischen den Bühnen mit: Wer mittags quer über ein schattenloses Gelände läuft, steht danach schon erschöpft vor dem nächsten Act. Und achte aufeinander. Wer neben dir plötzlich still wird, wankt oder wirr redet, braucht keine Ermunterung, sondern Schatten und Hilfe.

Hitze lässt sich auf einem Festival nicht vermeiden, aber man kann sie einplanen wie Anreise und Zeltplatz. Wer seinen Tag nach dem Sonnenstand richtet, regelmäßig trinkt und die Warnzeichen kennt, steht um Mitternacht noch vor der Hauptbühne. Wer es nicht tut, sitzt um diese Zeit oft schon im Sanitätszelt.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich einen Hitzschlag auf dem Festival?

Warnzeichen sind heiße, gerötete Haut, starke Kopfschmerzen, Übelkeit und vor allem Verwirrtheit, Benommenheit oder Bewusstlosigkeit. Die Körpertemperatur liegt dann über 40 Grad. Ein Hitzschlag ist ein Notfall: sofort Sanitäter holen oder 112 wählen, die Person in den Schatten bringen und mit feuchten Tüchern kühlen.

Kann man auf einem Festival zu viel Wasser trinken?

Ja, in Ausnahmefällen. Wer in kurzer Zeit sehr große Mengen reines Wasser trinkt, kann den Salzgehalt im Blut zu stark verdünnen. Besonders betroffen sind Menschen, die MDMA genommen haben, weil die Substanz die Wasserausscheidung bremst. Regelmäßig in kleinen Mengen trinken und zwischendurch etwas Salziges essen ist sinnvoller als literweise auf einmal.

Darf ich eine eigene Wasserflasche mit aufs Festival nehmen?

Das regelt jedes Festival selbst in seiner Hausordnung. Manche erlauben leere Kunststoffflaschen oder faltbare Trinkbehälter, andere gar keine eigenen Gefäße auf dem Infield. Ob es kostenlose Wasserstellen gibt, steht meist in den FAQ des Veranstalters.

Wie lange dauert ein Sonnenstich?

Die Beschwerden setzen oft erst Stunden nach der Sonne ein und klingen bei Ruhe, Schatten und Kühlung meist nach einigen Stunden bis wenigen Tagen ab. Kommen Fieber, Erbrechen, Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen hinzu, gehört die Person zu Sanitätern oder in ärztliche Behandlung.

Ist Bier bei Hitze ein Durstlöscher?

Nein. Alkohol regt die Harnausscheidung an, der Körper verliert dadurch zusätzlich Flüssigkeit. Bier zählt also nicht zur Trinkmenge. Wer trotzdem trinkt, gleicht am besten mit Wasser aus.


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